Gegen Fake News mit der Triple-A Methode

Die Triple-A-Methode ist eine einfache Handlungsanleitung für den Alltag. Diese verständliche Schritt-für-Schritt Anleitung hilft Ihnen, gekonnt die richtigen Argumente zur richtigen Zeit anzubringen.

VAW Grundlagen

Fake News sind kein Phänomen, dem wir hilflos gegenüberstehen. Auch den wildesten Verschwörungstheorien kann man widersprechen. Bevor Sie sich aber in eine Argumentation begeben, müssen ein paar Grundlagen geklärt sein. Oder wie man beim Eiskunstlauf sagt: Vor der Kür kommt erst die Pflicht. Fachlich müssen Sie dabei gar nicht auf der Höhe sein. In Gesprächen mit Fake News Vertretern geht nicht um Fakten, sondern um Emotionen und Einstellungen. Im Wesentlichen sind drei Dinge nötig, bevor Sie überhaupt anfangen können. Um sich diese gut merken zu können, werden sie hier als VAW-Methode bezeichnet:

Vorher: Einstellung und Auftreten

Eine positive Einstellung hilft – auch wenn es nicht immer leicht ist. Nehmen Sie sich die Zeit und schauen Sie sich ihr Gegenüber an. Wie ist er oder sie drauf? Will die Person argumentieren oder nur Luft ablassen? Führen Sie eine Unterhaltung und kein Streitgespräch. Machen Sie sich selber klar, dass es das Killerargument nicht gibt. Sie können Ihr Gegenüber zum Nachdenken anregen, mehr aber auch nicht. 

Am Anfang: Ärger und Wut kontrollieren 

Wenn Sie sich auf ein Gespräch einlassen wollen, prüfen Sie sich selber: Sind Sie bereit für ein Gespräch? Ärger und Wut sind schlechte Begleiter. Atmen Sie stattdessen tief durch, versuchen Sie es mit Humor. Setzen Sie sich vorher einen Anker, an dem Sie sich „festhalten“ können. Versuchen Sie mit der PFA-Methode (Pause machen, Fragen stellen, Akzeptanz zeigen) Zeit zu gewinnen. 

Währenddessen: Argumente wirkungsvoll vertreten

Bleiben Sie im Gespräch einfach. Nutzen Sie kurze, klare Sätze und einfache Argumente. Verzetteln Sie sich nicht in Details. Die merkt sich sowieso kein Mensch. Wenn Sie sich vorbereiten können: Nicht mehr als drei Argumente einbringen, danach steigt die Skepsis. Und nutzen Sie Fragen. Fragen bringen Zeit und helfen, den Gegenüber besser zu verstehen. Und nicht zuletzt: Vertrauen Sie nicht auf die Kraft rationaler Argumente. Fake News Vertreter argumentieren mit dem Bauch, nicht mit dem Kopf. Bringen Sie Ihr Gegenüber eher zum Nachdenken, als ihn oder sie überzeugen zu wollen. 

Die Triple-A Methode

Die einfachsten Dinge kommen immer in drei Schritten. Je nach Ziel kann mit unterschiedlichen Abläufen ein schwieriges Gespräch strukturiert werden. Halten Sie sich an diese Abläufe. Nicht nur haben sich diese in zahlreichen Gesprächen bewährt, sie schaffen auch Sicherheit, eine Rettungsleine an der man sich festhalten kann. 

Ziel: Überzeugen 

Aussage – Anerkennung – Argument: Stellen Sie Ihre Kernaussage voran, diese wollen Sie bei Ihrem Gegenüber verankern. Dann zeigen Sie Verständnis für die Ansichten ihres Partners. Sie wollen ja im Gespräch bleiben. Und erst dann fügen Sie ein Argument an, damit untermauern Sie Ihre Kernaussage. Denken Sie daran, Sie wollen ein Gespräch führen, nicht überwältigen. 

Beispiel: „Der Klimawandel ist Realität, alle relevanten Forscher sind sich hier einig. Ich kann gut verstehen, dass das Thema so komplex ist, dass man sich hilflos fühlt. Es hilft aber nichts, 17 der 18 wärmsten Jahre seit der Erforschung des Wetters sind seit dem Jahr 2000 aufgetreten und dieses Jahr wird wieder einen Rekord bringen.“

Ziel: Gespräch abbrechen

Anerkennung – Allgemeine Frage – Auf später vertagen: Irgendwann wird man das Gespräch abbrechen müssen, denn nur selten kommt der Satz „Du hast recht“. Dann gilt ein anderer Dreischritt: Zuerst zollen Sie ihrem Gegenüber Respekt, Anerkennung ist so wichtig. Dann stellen Sie eine allgemeine Frage, ohne Details zu verlangen und im dritten Schritt vertagen Sie das Gespräch auf später. Ihr Gegenüber fühlt sich nicht vor den Kopf gestoßen und hat Zeit zum Nachdenken. 

Beispiel: „Das ist ein schönes Thema, dass uns sicherlich noch lange beschäftigen wird. Gibt es dazu auch Gegenstimmen? … Geben Sie mir etwas Zeit, ich komme darauf noch mal zurück“ 

Ziel: Initiative ergreifen

Anfangen – Anerkennung – Argument: Will man das Gespräch wieder aufnehmen, oder selber ein Thema ansprechen, kann man das System wieder in einer anderen Form nutzen. Fangen Sie mit einem allgemeinen Einstieg an und sprechen Sie nur das Thema an. Folgen Sie dann wieder mit der Anerkennung des Gegenübers, es wird das Gespräch einfacher machen. Als drittes stellen Sie dann ein Argument vor, verbunden mit einer Frage. Mit diesem Ablauf sind Sie im Gespräch, dann können Sie wieder das System „Überzeugen“ nutzen. 

Beispiel: „Wir hatten doch das letzte Mal über Chemtrails gesprochen. Die Amerikaner versprühen Chemikalien, um uns unfruchtbar zu machen. Ich habe darüber nachgedacht und etwas recherchiert. Man findet da ja haufenweise was dazu. Kondensstreifen am Himmel entstehen durch die Abgase von Flugzeugen. Über Flughäfen kann man das bei schönem Wetter sehr gut beobachten. Was mich wundert, warum sollte man diesen Aufwand betreiben?“

Wichtig 

Üben, üben, üben. Zuerst hören sich diese Abläufe ungewohnt und kompliziert an. Aber schon nach kurzer Zeit hat man ich daran gewöhnt. Versprochen! Nutzen Sie diese Abläufe als Richtschnur. Es hilft, um im Gespräch ruhig zu bleiben und sachlich argumentieren zu können. Verankern Sie bei Ihrem Gegenüber Ihre Kernaussage, die ist vor allem wichtig. Versuchen Sie nicht, ihr Gegenüber zu überzeugen. Fake News Vertreter und Populisten wissen um ihre schwache Argumentation (wenn meist auch nur unbewusst). Aber es geht nicht um Argumente, sondern um Gefühle, Werte und Sichtweisen. Hier anzusetzen benötigt Zeit. 

Und weiter? 

Wenn Sie mehr wissen wollen, finden Sie die Abläufe inklusive Erläuterungen und Hintergründe im Buch „Fake News – Moderne Lügen entlarven und entspannt reagieren“ (ISNB 978-3-7344-0699-7). Das Buch und ein Interview dazu finden sie hier.

 

Scrabble-Buchstaben "Fake News". Foto Wokandapix / Pixabay.com

Zehn Gebote im Umgang mit Fake News

„Grau ist alle Theorie“
Zehn Gebote für Ihren Alltag mit Fake News. Drucken Sie die Gebote aus und hängen Sie sie sich über ihren Schreibtisch. Die Gebote gelten natürlich nicht nur für den Umgang mit Fake News, modernen Lügen und Verschwörungstheorien, sondern auch für den „normalen“ Umgang miteinander.

1. Haben Sie Verständnis

Viele Menschen wollen einfach vor der Kompliziertheit der modernen Welt fliehen und suchen einfache Antworten. Dieser Wunsch ist verständlich.

2. Üben Sie ihre Argumentationstechnik
Je öfter Sie sich auf Streitgespräche einlassen, desto leichter wird es Ihnen fallen, darin zu bestehen.

3. Argumentieren Sie verständlich
Hochgestochen „daherschwätzen“ kann jeder. Vermeiden Sie Fremdwörter, komplizierte Sätze und komplexe Argumentationsketten. Lieber einfach und wirkungsvoll, als unverständlich und langweilig.

4. Bleiben Sie in Diskussionen freundlich
Lächeln Sie einfach, egal was der andere Ihnen an den Kopf wirft. Mit etwas Geduld beruhigt sich ihr Gegenüber.

5. Kontrollieren Sie Ihren Ärger und Ihre Wut?
Passen Sie sich auf keinen Fall Ihrem Gegner an. Sie sind der Boss, Sie haben es nicht nötig zu schreien.

6. Halten Sie dagegen

Lassen Sie sich nicht mit einfachen Argumentationstricks abspeisen. Ziehen Sie ihre Kernaussagen durch, egal was kommt. Sehen Sie es als Spiel: Wer zuerst aufgibt, verliert.

7. Vermeiden Sie unnütze Gespräche
Wenn Sie merken, es bringt nichts mehr, bringt es nichts mehr. Ein taktischer Rückzug ist besser als eine endlose Schlacht.

8. Lassen Sie Dinge auch mal auf sich beruhen
Seien Sie nicht zu verbissen, man hat schnell einen Ruf weg. Lieber einmal etwas weniger sagen, dafür das nächste Mal umso wirkungsvoller.

9. Lesen Sie seriöse Nachrichtenquellen
Ignorieren Sie den Rest. Bleiben Sie bei Skandalen kritisch, bei hochkochenden Emotionen noch kritischer. Fragen Sie sich immer: Kann das wirklich sein?

10. Seien Sie auch kritisch sich selber gegenüber
Manchmal kann auch an der wahnwitzigsten Verschwörungstheorie etwas dran sein. Manchmal wird man von der Wirklichkeit überrascht.