Viele Menschen glauben Fake-News, weil diese genau in die Arbeitsweise unseres Gehirns passen. Durch die modernen Medien können Fake-News zudem schnell verbreitet werden.

Was sind Fake News?

Fake News sind allgegenwärtig. Dabei ist der Begriff „Fake News“ ein relativ junger und nicht klar definierter Sammelbegriff für eine Vielzahl verschiedener Phänomene.

Der Begriff „Fake-News ...“
Der Begriff „Fake-News“ setzt sich aus den beiden Begriffen „Fake“ (engl. für „gefälscht“) und „News“ (engl. für „Nachrichten“) zusammen. Wörtlich übersetzt bezeichnet der Begriff folglich gefälschte Nachrichten. Jedoch wird mit „Fake-News“ im derzeitigen Diskurs ganz allgemein gesprochen jede Form von problematischen (und medial verbreiteten) Inhalten bezeichnet.
Als Bestandteil der Berichterstattung journalistischer Massenmedien sind Falschmeldungen unter dem Namen „Zeitungsente“ oder „Tatarenmeldung“ schon seit dem 19. Jahrhundert bekannt. In unserer modernen Welt stehen uns aber ganz neue Kommunikationsformen zur Verfügung. Aufgrund unserer heutigen Mediennutzung erfahren Lügen sehr viel mehr und schneller Resonanz als früher.

Warum funktionieren Fake News?

Unser Gehirn und unsere Wahrnehmung funktionieren nach einfachen Gesetzen. Fake News setzen da an, wo wir Menschen leicht zu beeinflussen sind: Bei der unbewussten Verarbeitung von Informationen.

Problem: Unser Gehirn ist stinkfaul
Bis auf vielleicht die letzten 50 Jahre war Energie in Form von Nahrung immer knapp. Mehr als ein Drittel davon braucht aber unser Gehirn. Je effektiver das Gehirn also arbeitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit zu überleben.
Ein berühmtes Experiment zeigt, wie beschränkt unser Gehirn teilweise funktioniert. Wissenschaftler führten verschiedenen Teilnehmern ein Sportvideo vor. Die Probanden wurden aufgefordert, die Ballwechsel zu zählen, die im Spiel stattfanden. Mitten im Video lief ein Mensch im Gorillakostüm ins Bild, machte eine Pose und lief auf der anderen Seite wieder hinaus. Als die Testpersonen anschließend gefragt wurden, ob sie irgendwas Ungewöhnliches im Video bemerkt hätten, antwortet die Mehrheit mit: „Nein“. Die Erklärung: Unser Gehirn versucht seine Energie auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Alles andere „muss“ ausgeblendet werden. Auch bei Fake-News tritt dieser Effekt zutage. Eine schöne, einfache Geschichte wird geglaubt, Fakten werden ignoriert.
Problem: Wiederholungen verstärken einfache Botschaften
Je öfter wir eine Geschichte hören, desto glaubwürdiger bewerten wir sie. Eine Vertrautheit stellt sich ein und führt dazu, dass wir eher geneigt sind, der Geschichte zu glauben, als das wir sie anzweifeln.
Der Psychologe Gordon Pennycook und der Ökonom David G. Rand haben dies auch experimental nachvollzogen. Sie legten ihren Probanden Texte mit verschiedenen Falschaussagen vor. Von halbwegs plausibel, wie „Trump will alle Fernsehsendungen verbieten, die Homosexualität enthalten“, bis offensichtlich falsch, „Bolivien liegt am Meer“. Die Ergebnisse: Je öfter die Aussage wiederholt wurde, desto glaubwürdiger wurden sie von den Versuchsteilnehmern bewertet. Bei der Trump Satire erkannten beim ersten Hören noch mehr als 95 Prozent der Zuhörer die Aussage als Satire, lediglich 5 Prozent lagen falsch. Wurde die Geschichte aber später wiederholt, glaubten bereits doppelt so viele die Aussage, 10 Prozent der Befragten bewerteten die Aussage als glaubwürdig. Und mit jeder weiteren Wiederholung stieg dieser Effekt noch mal an.
Problem: Falschinformationen lassen sich nur schwer löschen
Eine Lüge, so Martin Luther, sei „wie ein Schneeball, je länger man ihn rollt, desto größer wird er“. Da hilft es nicht einmal, die Lüge als solche zu kennzeichnen, denn auch dann wächst der Ball weiter.
Sobald Menschen falsche Informationen erhalten haben, ist es sehr schwierig deren Einfluss wieder zu entfernen. Dies wurde bereits 1994 mit einem Experiment gezeigt, bei dem die Probanden einen Bericht über ein erfundenes Lagerhausfeuer erhielten. Zu Beginn der Geschichte war von Explosionen die Rede und es wurden auch Farb- und Gasbehälter erwähnt. Weiter unten wurde allerdings klargestellt, dass es im Lagerhaus keine solchen Behälter gab. Später nach der Ursache der starken Rauchentwicklung gefragt, nannten viele Probanden trotzdem Farb- und Gasbehälter. Obwohl sie die Geschichte vollständig lasen und auch alle wesentlichen Informationen verstanden hatten, bezogen sich die Testpersonen beim Beantworten von Fragen auf die Fehlinformationen.
Problem: Kennzeichnung funktioniert nicht
Der „Schneeball-Effekt“ tritt auch dann auf, wenn die Aussagen deutlich als falsch gekennzeichnet wurden. Der Hinweis „von unabhängigen Fakten-Checkern angefochten“, wie er etwa bei Facebook erscheint, erweist sich als weitgehend wirkungslos. Jeder Nutzen eines solchen Hinweises wird umgehend ausgelöscht durch den Effekt der wiederholten Darstellung.
In einem Versuch wurden Probanden ein Infoblatt gezeigt, das mit häufig vorgebrachten Fehlinformationen über Grippeimpfungen aufräumt, deutlich gekennzeichnet als „falsch“ oder „nicht haltbar“. Anschließend wurden die Testpersonen gebeten, die Fehlinformationen zu benennen. Wurden die Personen direkt im Anschluss nach dem Lesen des Infoblatts befragt, identifizierten sie die Fehlinformationen korrekt. Wurden sie jedoch 30 Minuten nach dem Durchlesen befragt, beantworteten einige der Personen die Fragen sogar schlechter als zuvor, das heißt, sie erinnerten sich an die Fehlinformationen, nicht aber an die Kennzeichnung „falsch“. Ausschlaggebend ist wieder die Tatsache, das Vertrautheit die Chance vergrößert, dass Informationen als wahr angesehen werden.
Problem: Weltanschauung ist wichtiger als Fakten
Fakten alleine haben kaum Überzeugungskraft. Im Gegenteil, meist überzeugen Fakten nur diejenigen, die ohnehin schon an sie glauben. Ein Denkprozess, der zu diesem Effekt beiträgt, ist unsere Tendenz, Informationen auszuwählen, die unsere bereits bestehenden Ansichten untermauern. Der wissenschaftliche Begriff dafür lautet Bestätigungstendenz.
Schon der englische Philosoph Francis Bacon wies bereits im Jahre 1620 auf diese Problematik hin: „Hat der menschliche Verstand einmal eine Meinung angenommen, […], so zieht er alles heran, um diese zu bestätigen und mit ihr zusammenzustimmen. Und selbst wenn sich für das Gegenteil mehr und weit bessere Beweise anbieten, so wird er diese mit großer und schädlicher Voreingenommenheit ignorieren, verdammen oder sie durch Spitzfindigkeiten als irrelevant betrachten, auf dass die Autorität seiner ersten Annahme ungeschmälert erhalten bleibe.“
Problem: Fake News bieten Sinn
Ob Fake-News oder Verschwörungstheorien, das System dahinter zeigt, warum einige Menschen gerne an diese Dinge glauben: Es bietet einen Ausweg aus der Unübersichtlichkeit und Komplexität der modernen Welt.
Verschiede Forschungen, zum Beispiel durch die Freie Universität Amsterdam, weisen darauf hin, dass Verschwörungstheorien im Kern über Mustererkennungen funktionieren. Mustererkennung ist ein uraltes, evolutionäres Konzept, um Wahrnehmungen in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen. Ein Muster ist zum Beispiel: Baum + Apfel = Essen oder Raubtiergeruch + Knacken im Geäst = Gefahr. Das Gehirn erkennt solche Muster automatisch ohne den Umweg über das Großhirn und bereitet unseren Körper auf eine Reaktion vor. Auch heutzutage funktioniert dieses System noch. Der Mensch sucht automatisch Muster, auch wenn in vielen Fällen einfach der Zufall eine Rolle spielte. Fake News helfe, die unübersichtliche Welt in einfache Muster einzuteilen. Für unser Gehirn ein attraktives Angebot.
Problem: „Smart-Idiot-Effekt“
Ein höherer Bildungsgrad mindert nicht die Verweigerungshaltung
Interessanterweise führt ein höherer Bildungsgrad nicht dazu, dass Menschen generell zugänglicher sind für wissenschaftliche Erkenntnisse – im Gegenteil steigt der Grad der Polarisierung bei kontroversen Themen sogar.
In einer Studie eines Forscherteams um den Psychologen Dan Kahan von der Yale University im US-Bundesstaat Connecticut wurde Versuchspersonen eine Zahlentabelle vorgelegt: Angeblich enthielt sie Daten zu Tests einer Hautcreme. Und auf den ersten Blick schienen die Daten die Wirksamkeit der Creme zu bestätigen. Bei genauerer Betrachtung der Zahlenverhältnisse wurde aber klar, dass die Creme unwirksam ist. Solange es „bloß“ um Hautcreme ging, konnten die Probanden mit höherer Bildung den Fehlschluss durchschauen und gaben eher die korrekte Antwort. Wurde die Beschriftung der Tabelle aber geändert und zeigte nicht mehr Daten zu einer Hautcreme – sondern zur Frage, ob die Kriminalität in solchen Städten niedriger liegt, in denen das Tragen von Waffen verboten ist (Bekanntlich ist das Thema Waffenbesitz in den USA hoch ideologisiert), erkannten die Testpersonen nur dann noch die komplexere Wahrheit, wenn sie in ihr Weltbild passte.
Der Journalist Chris Mooney hat dies einmal den „Smart Idiot Effect“ genannt: Bessere Bildung führe lediglich zu „schlaueren Idioten“.
Problem: Verschwörungstheorien ersetzen Wissenschaft
Was passiert, wenn Menschen auf die Kluft zwischen Forschungsergebnissen und ihrer Meinung hingewiesen werden? Eine verbreitete Lösungsstrategie für den augenscheinlichen Widerspruch ist dann, eine Verschwörung innerhalb der Wissenschaft zu unterstellen.
Unser Gehirn versucht sich in der Welt zurechtzufinden. Einfache Erklärungen schaffen Raum, damit man sich mit wichtigeren Dingen beschäftigen kann. Die Suche nach einfachen Lösungen spart also Energie. Auch fällt es dem Gehirn sehr schwer, mit Unsicherheiten zu leben. Wahrscheinlichkeitsrechnungen werden deshalb von vielen Leuten abgelehnt. „Was nützt mir eine Wahrscheinlichkeit von 1 zu 10.000, wenn das Flugzeug trotzdem abstürzt?“. Viele Menschen können besser mit einer einfachen, falschen Erklärung leben, als sich auf die Suche nach einer komplexen Antwort zu begeben.

Was ist das Neue an Fake News

Durch die modernen Medien sind neue Möglichkeiten hinzugekommen, mit Fake-News relativ schnell und unkompliziert ein breites Publikum zu erreichen.

Neu: Ein gesellschaftliches Gefühl der Unsicherheit?
Wir leben in Zeiten des Umbruchs. Menschen in hundert Jahren werden unsere Zeit mit dem Beginn der Industrialisierung vergleichen, in der technischen Revolutionen erhebliche gesellschaftliche Umbrüche nach sich zogen.
Dadurch entstehen in Gesellschaften diffuse Ängste (die natürlich auch ihre Berechtigung haben). Umwelt, Gesellschaft, Arbeitsmarkt, wo auch immer man hinschaut, Pessimismus scheint angebracht. Hier Daten vom Zeit Artikel einfügen: Claudia!
Auch wenn die aktuellen Zahlen etwas Anderes hergeben, die Zukunft wirkt nicht mehr als Verheißung, in der die Kinder es mal besser haben werden, sondern als Sturm der über uns hinwegbraust und alles Bestehende mit sich wegträgt. Mit dieser Unsicherheit zu leben, fällt derzeit vielen Menschen schwer. Politik und Medien und deren systemeigenen Zwänge und Regeln sorgen dafür, dass diese Unsicherheiten noch verstärkt werden.
Neu: Medien im Umbruch
Um den Erfolg von Fake-News zu verstehen, muss man zwei tiefgreifende Veränderungen der Medienbranche betrachten.
Nachrichten als Quotentreiber: Wer mit Nachrichten im Netz Erfolg haben will, braucht Klicks. Was aufregend ist und provoziert, wird öfter geklickt – und verspricht höhere Werbeeinnahmen. Echte Nachrichten müssen mit Skandalen oder zusätzlichen Themen aufpoliert werden. Falsche, allein auf hohe Weiterverbreitung im Netz optimierte Nachrichten, werden von speziellen Agenturen produziert
Nachrichten als Unterhaltung: Nachrichten wurden früher in den etablierten Medien betont nüchtern vorgetragen. Heutzutage müssen Nachrichten mit Liveberichten, Experten oder kurzen Filmchen unterlegt werden, um den Zuschauer überhaupt noch zu erreichen. Kurz: Nachrichten müssen auch unterhalten. Dieses Prinzip funktioniert auch bei Fake-News. Leser der Blogs des Kopp-Verlags, von „PI-News” oder der deutschen Ausgabe von „Russia Today” können offene Lügen, einseitige Darstellungen und doppeldeutige Meinungsbeiträge kaum von realen Nachrichten unterscheiden.
Neu: Kein Puffer zwischen Sender und Empfänger
Die Sozialen Medien haben den Vorteil, dass wir in ungehinderten Austausch miteinander treten können. Es gibt (theoretisch) keine Gruppen, die zwischen dem Einzelnen und der Masse stehen. Jede Medaille hat aber auch ihre Kehrseite. Es gibt eben keine Gruppe mehr, die korrigierend eingreifen kann.
Den Journalisten kam früher eine Funktion als „Gate Keeper“ zu. Sie bestimmten, welche Meinungen als Mehrheitsmeinungen galten und welche nicht. Journalistische Sorgfaltspflicht, redaktionelle Unabhängigkeit, Trennung von Meinung und Darstellung sowie klare politische Positionen (FAZ= Rechts / TAZ= links) sorgten dafür, dass kein Journalist ungefiltert seine persönliche Meinung einbringen konnte. Etablierte Medien versuchen auch heute noch, diese journalistischen Standards hochzuhalten. In sozialen Netzwerken fehlen diese Standards komplett. Jeder kann alles als Wahrheit verkaufen, was er als richtig empfindet. Im Internet ist es Lesern oft egal, auf welcher Website ein Text veröffentlicht wurde oder wer der Autor ist – wichtiger ist, dass die Headline stimmt. Hinterher heißt es: „Das habe ich auf Facebook gelesen.“ In Umfragen geben mehr als 30% der Bundesbürger an, Twitter, Facebook und Co als Hauptnachrichtenquelle zu nutzen.
Neu: Viele, viele, viele Wahrheiten
In Social Media Debatten geht es weniger darum, zu überzeugen, sondern vielmehr die Argumente des Gegners zu zerstören. Ein neues Mittel dafür ist das Erfinden so vieler alternativer Wahrheiten, bis der Zuhörer den Überblick verliert und im Dickicht einfach aufgibt.
Ein Muster, welches so neu nun auch wieder nicht ist. Im Sozialismus der Sowjetrepubliken war es den Lesern der Prawda klar, dass die Meldungen über die Erfolge des Sozialismus nur wenig mit der Realität bei ihnen zu Hause zu tun haben. Irgendwann haben die meisten Menschen aufgegeben, zwischen Wahrheit und Lüge zu unterscheiden. In einem vielbeachteten Kommentar beklagte der Kolumnist Jim Rutenberg von der Times, dass mit Donald Trump ein Präsident ins Weiße Haus einzog, für den die Unwahrheit nicht nur als Notlüge dient, sondern ein gezieltes Mittel der Wahrheitszerstörung ist. „Wie jeder Autokrat“ schrieb die Times, „gewinnt er das Vertrauen seiner Anhänger – nenne wir es blindes Vertrauen – durch so häufige und schamlose Lügen, dass Millionen Menschen den Versuch aufgeben, zwischen Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden.“
Neu: Vertrauen zerstören
„Attackiere nie die Schwäche deines Gegners, sondern seine Stärke“. So lautet eine Maxime des amerikanischen, konservativen Politikberaters Karl Rove. Diskreditiert man seinen Gegner, säht Zweifel an der Rechtschaffenheit und stellt sein Ansehen in Frage, kann man alles andere auch bekämpfen. Rechte Ideologen machen sich diesen Grundsatz zu eigen.
Die Stärke der etablierten Medien ist ihre Glaubwürdigkeit. Diese zu untergraben ist das Ziel des „Projektes Veritas“ in Amerika. Das Projekt Veritas ist eine rechte Organisation mit einem mehr als irreführenden Namen. Finanziert wird Veritas durch einen Spendenfonds der ultrakonservativen und schwerreichen Brüder Charles und David Koch. Der Verein schleust seine Leute als „undercover-Agenten“ in liberal gesinnte Institutionen ein und versuchten bestimmte Reaktionen zu provozieren.
Der Öffentlichkeit bloßgelegt wurde dieses System, als eine vermeintliche Informantin der Washington Post eine Geschichte anbot. Sie gab an, von einem konservativen Abgeordneten (Roy Moore), der unter Missbrauchsvorwürfen stand, als Kind missbraucht worden zu sein. Hätte es funktioniert und die Washington Post wäre auf die Lüge hereingefallen, wären auch die anderen Vorwürfe gegen den Abgeordneten unglaubwürdig gewesen. Die Reporterin tat aber das, was gute Journalisten tun, sie recherchierte und fand heraus, dass die vermeintliche Informantin für das Projekt Veritas arbeitete. Sie filmte ihrerseits die Gespräche und veröffentlichte ihre gesamte Recherche.
Neu: Empörung schüren, Angst provozieren
Emotionen führen zu Aufmerksamkeit. Der alte Werbeleitsatz funktioniert natürlich in den Social Media Systemen hervorragend. Das haben sich auch politische Akteure zunutze gemacht. Ziel ist, bestehende Gesellschaften ins Schwanken zu bringen, um sich als bessere Alternative zu präsentieren.
Reißerische Nachrichten werden bewusst produziert, um Gesellschaften zu spalten und Unruhe zu produzieren. Eine Taktik, die in den letzten Jahren durchaus Erfolge erzielen konnte. Die inneren Widersprüche, die jede Gesellschaft auszuhalten hat, bieten gute Ansatzmöglichkeiten. Die sozialen Medien wirken dabei als Katalysator und Vervielfältiger. Auch deshalb werden in autoritären Regimen die sozialen Medien kontrolliert und oft gesperrt.
Neu: Echokammern

Will man Personengruppen beeinflussen, muss man deren mediale Umgebung verändern. Im Idealfall konstruiert man eine Echokammer, in der eine Vielzahl von Stimmen immer wieder das Gleiche reproduzieren. Damit erreicht man beim Empfänger eine Art Stimmigkeit, die auch falschen Informationen einen Wahrheitsgehalt überstreifen. So kann man einzelne Personengruppen gezielt beeinflussen und deren Sichtweisen und Verhalten ändern.
Menschen neigen in den sozialen Netzwerken dazu, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben und sich dabei gegenseitig in der eigenen Position zu verstärken. Befeuert durch die Echokammer verbreiten sich nicht nur Inhalte, sondern auch Kommentare innerhalb der Netzwerke wie ein Lauffeuer. Wer den Konsens der Gruppe am besten trifft, wird „geteilt“ und „geliked“ und kriegt aus anderen, harmonierenden Kreisen Freundschaftsanfragen. Die Echokammer wächst und damit auch der Eindruck, man sei selbst keine Minderheit, sondern eine gesellschaftlich relevante Mehrheit. Facebook und Co. unterstützen und verstärken diesen Effekt. Algorithmen sorgen dafür, dass man prioritär Inhalte angezeigt bekommt, die von Gleichgesinnten stammen oder von ihnen „geliked“ wurden.

Neu: Einsatz von Social Bots
Als „Bots“ werden Computerprogramme bezeichnet, die weitestgehend automatisiert Aufgaben abarbeiten, also zum Beispiel Webseiten auf der Suche nach bestimmten Inhalten scannen oder Nachrichten verschicken.
In sozialen Netzwerken erstellen Social Bots fingierte Accounts, die auf den ersten Blick wie Accounts echter, also menschlicher Nutzer aussehen. Diese Accounts teilen zum Beispiel automatisch Tweets auf Twitter oder vergeben Likes auf Facebook. Das Hauptziel besteht darin, dass eine Meldung vom Algorithmus der Social-Media-Plattform als sehr interessant eingestuft wird. Nachrichten, mit denen viele Nutzer interagieren, erhalten von den Algorithmen eine höhere Relevanz zugeschrieben und werden folglich weiteren Nutzern priorisiert angezeigt. Für den Nutzer bleibt meist unklar, ob die Beiträge von echten Menschen, Bots oder bezahlten Schreibern stammen. Über die Anzahl der Bots gibt es widersprüchliche Aussagen. Ernst zu nehmende Schätzungen sprechen davon, dass mehr als die Hälfte aller „Nachrichten“ von Social Bots verbreitet werden. Lediglich 20% aller Kommentare und Likes werden von realen Menschen vergeben.
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