1917: Die Osterbotschaft des deutschen Kaisers

Wilhelm II. mit Generalfeldmarschall von Hindenburg (links) und dem Ersten Generalquartiermeister Ludendorff im Großen Hauptquartier, 1917
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In seiner Osterbotschaft von 1917 stellte Wilhelm II. demokratische Reformen in Aussicht. Mitten im Krieg! Fake News oder die Ankündigung eines Wandels? Eher ersteres, denn der Krieg lief nicht gut für Deutschland. Eine Rebellion lag in der Luft. 

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges wurde der Krieg im Rahmen des Burgfriedens noch von den meisten Gruppen und Parteien unterstützt. Doch je länger der Krieg sich hinzog, desto größter wurden die Widerstände. Die extreme und bis dato unbekannte Grausamkeit des industriell geführten Krieges ließen die Befürworter zweifeln.

Auch war ein glücklicher Ausgang des Krieges für die deutsche Nation nicht in Sicht. Die Spaltung der SPD verschärfte den Druck, der Ruf nach einem Ende des Krieges und demokratische Reformen wurde lauter.

Die Oberste Heeresleitung musste reagieren

Die Soldaten und Arbeiter wurden immer unzufriedener, eine Rebellion drohte. Um Dampf aus dem Kessel zu nehmen beschloss die Oberste Heeresleitung, die damals das Land faktisch regierte, dass der Kaiser ein Signal setzen muss. Um die Arbeiterschaft und Soldaten zu beruhigen, sollten demokratische Reformen versprochen werden – natürlich erst nach dem Krieg. 

Geheimes Wahlrecht für alle? 

Am 17. April 1917 kündigte der deutsche Kaiser an, dass nach einem "glücklichen Endes des Krieges" Verfassungsänderungen geplant seien und dass das Dreiklassenwahlrecht in Preußen durch ein geheimes und direktes Wahlrecht ersetzt werden solle.

Im Deutschen Reich galt nämlich seit der Reichseinigung 1870/71 das freie, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht. (Dies bezog sich allerdings nur auf Männer ab 25 Jahren). Doch Preußen machte nicht mit. Dort galt das Dreiklassenwahlrecht und nicht geheime Wahlen. Der Staat wusste also sehr genau, wer welche Partei wählte. 

Eine eher enttäuschende Rede

Die angekündigten Reformen blieben aber weit hinter den Erwartungen demokratischer Kräfte zurück. Das Frauenwahlrecht wurde mit keinem Wort erwähnt. Weitreichende demokratische Zugeständnisse sprach der Kaiser nicht mal an.

Schon damals war allen Beteiligten klar, dass die Rede lediglich ein Ablenkungsmanöver war. Demokratie war nicht geplant. Und auch ein "glückliches Ende des Krieges" für Deutschland fand nicht statt. Es waren einfach Fake News.

Quellen