1962: Smog-Alarm in Deutschland

Smog im Straßenverkehr. Foto: Martin Vorel
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Die Smog-Krise im Ruhrgebiet ereignete sich zwischen dem 3. und 7. Dezember 1962. In Teilen des Ruhrgebiets erreichte der Anteil des Schwefeldioxids in der Luft 5000 µg/m3 (aktueller Tagesgrenzwerte 125 µg/m3). Es starben knapp 20 Prozent mehr Menschen als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Laut der Industrie alles Fake News – Die Wirtschaft muss brummen. 

Lange kämpfte die Industrielobby gegen die angeblich hysterischen Umweltschützer. Obwohl die Folgen der Luftverschmutzung für alle sichtbar waren. Doch Abgasreinigungssysteme würden die deutsche Schwerindustrie zerstören und tausende Menschen arbeitslos machen. Smog und Waldsterben gehörten halt zu einem Industrieland wie Deutschland dazu und wären unvermeidbar, so ein deutscher Industrievertreter in einem Fernsehauftritt. 

Folgen waren schon lange bekannt 

Die Auswirkungen des "Smogs" (smoke+fog=Smog) waren auch in Deutschland schon lange bekannt. Vom 5. bis zum 9. Dezember 1952 ereignete sich in London eine Smog-Katastrophe. Zehntausende Menschen bekamen teils erhebliche Atemprobleme bis hin zur Luftnot. In diesen Tagen starben dreimal so viel Menschen wie sonst; vor allem Babys, Kleinkinder, ältere Menschen sowie Personen, die bereits vorher Atemwegs- und Herzerkrankungen hatten. 

1952: erste Forderungen nach Maßnahmen

Sturm Kegel, der Verbandsdirektor des Siedlungsverbands Ruhrkohlenbezirk, forderte ebenfalls bereits 1952 gesetzliche Maßnahmen gegen das Smog-Problem im Ruhrgebiet. Kern seines Gesetzentwurfes: Die Großindustrie sollte aus eigenen Mitteln die zur Luftverbesserung nötigen Filter-Aggregate finanzieren. 1961 forderte Willy Brandt im Bundestagswahlkampf: "Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden".

1964 erließ die Landesregierung Nordrhein-Westfalen eine Smog-Verordnung. Auf einschneidende Maßnahmen wurde aber verzichtet. 10 Jahre später, im März 1974, beschloss der 7. Bundestag das Bundesimmissionsschutzgesetz. Aber auch hier fehlten engagierte Ziele und Maßnahmen. Deutschland als Industriestandort durfte nicht geschwächt werden. 

Absichten allein reichen nicht

Am 17. Januar 1979 mussten die Behörden im Ruhrgebiet erstmal Smogalarm der Stufe 1 ausrufen. Er galt für Teile des Kreises Wesel, Krefeld sowie das westliche Ruhrgebiet. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, wegen der hohen Luftverschmutzung auf das Auto zu verzichten. Der Smogalarm gab aber lediglich Empfehlungen aus, die Wirkung war nicht messbar. Der Verkehr lief normal wie immer.

Erst mit der sechs Jahre später ausgerufenen höchsten Stufe und verpflichtenden Maßnahmen konnten kurzfristige Erfolge erzielt werden. Autos mussten stehenbleiben, Schulen wurden geschlossen. 

Und seitdem? 

Bundesweit wird die Luft kontinuierlich an rund 400 Stationen überprüft. Laut Umweltbundesamt nahm die Belastung der Luft mit Schadstoffen in den vergangenen 25 Jahren deutlich ab. Grenzwerte für Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Benzol und Blei werden eingehalten. Bei Feinstaub und Stickstoffdioxid werden die geltende Grenzwerte aber immer noch überschritten.

Schuld daran ist in erster Linie die Automobilindustrie in Ihren Betrügereien. Auch hier sind die Argumente die gleichen wie vor 30 Jahren. Geht nicht, zu teuer, schadet der Konkurrenzfähigkeit und kostet tausende Arbeitsplätze. Der Industrie geht es in Deutschland übrigens prächtig. 

Quellen