1988: Der Leuchter Report

Stacheldraht vor den Baracken des KZ Auschwitz. Foto: MonicaVolpin / Pixabay
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Offensichtlich ein Fake. Der Leuchter-Report behauptet, dass es die Gaskammern der nationalsozialistischen Vernichtungslager nie gegeben hätte. Der Autor des Reports ist allerdings ein bekannter Hochstapler - fast schon peinlich, dass Nazis sich auf solche Menschen berufen müssen.

Kommt man mit Menschen in Kontakt, die den Holocaust leugnen, wird über kurz oder lang der Leuchter-Report zitiert. Er gehört zu den wichtigsten Schlüsseldokumenten der revisionistischen Szene, weil er vermeintlich naturwissenschaftliche Beweise für das Nichtstattfinden der Vergasung von Menschen in Auschwitz liefert. Die Wahrheit dahinter ist profaner.

Angeklagt: Ernst Zündel

Ernst Zündel war ein bekannter Holocaustleugner und Verleger. 1958 war er von Deutschland nach Kanada geflohen, angeblich um der Wehrpflicht zu entgehen. In den 1980er Jahren stand er dort mehrfach wegen von ihm verlegter holocaustleugnender Schriften vor Gericht.

1988 wurde er nach dem False-News-Gesetz angeklagt. Zündel versuchte, die Öffentlichkeit dieses Prozesses zu nutzen. Er beauftragte Leuchter als Gutachter, der prüfen sollte, ob in den Gaskammern der NS-Vernichtungslager Menschenvergasungen stattgefunden haben. 

Beauftragt: Ingenieur Fred A. Leuchter 

Leuchter reiste im Frühjahr mit seiner Frau, einem Dolmetscher, einem Kameramann und einem Zeichner nach Europa. Dort hielt er sich nach eigenen Angaben drei Tage im KZ Auschwitz-Birkenau sowie einen Tag im KZ Majdanek auf. Seine Nachforschungen waren illegal. Angeblich entnahm er Gesteinsproben von den Wänden der ehemaligen Gaskammern. 

Qualifiziert? Wohl eher nicht

Sein Report umfasste mehr als 200 Seiten und sollte die Verteidigung stützen. Allerdings war bereits der Beginn nicht sehr vielversprechend. Leuchter musste zugeben, dass er gar keinen Titel als Ingenieur vorweisen kann. 

Richter Ronald Thomas: Wie können Sie als Ingenieur arbeiten und auftreten, wenn Sie keinen Abschluss als Ingenieur haben?

Fred A. Leuchter: Euer Ehren, ich würde gerne hinterfragen, was ein Ingenieurabschluß ist. 

So ging es durch die gesamte Befragung. Leuchter musste zugeben, dass er keinerlei Qualifikationen in Toxikologie oder Chemie vorweisen konnte. Auch kannte er viele Quellen gar nicht, wissenschaftliche Grundlagen waren ihm unbekannt. 

Folgen für Leuchter

Leuchter wurde als Hochstapler überführt, der sich zu Unrecht als Ingenieur und Experte für Hinrichtungstechniken und toxische Stoffe ausgegeben hatte. Er war ein einfacher Handwerker, der nach einem Bachelor-Studium der Geschichte eine Firma zur Wartung und Renovierung von Hinrichtungskammern in US-amerikanischen Gefängnissen gegründet hatte.

Durch den Prozess wurden die Behörden in den USA darauf aufmerksam, dass er sich ohne Abschluss und Lizenz als Ingenieur ausgegeben hatte, Wenig später war Leuchters Firma insolvent. Einkommen erhält er durch stetige Neuauflagen seines "Gutachtens".

Ergebnis des Prozesses 

Das kanadische Gericht stufte das Gutachten Leuchters und seine mündlichen Zeugenaussagen insgesamt als unglaubwürdig ein. Zündel wurde wegen „Verbreitung falscher Nachrichten“, also wegen seiner holocaustleugnenden Aktivitäten, verurteilt. Die Verbreitung des "Leuchter-Reports" ist in der Bundesrepublik Deutschland als Volksverhetzung strafbar. 

Quellen

Weiterführender Hinweis 

"Leuchters Hauptargument, das von HolocaustleugnerInnen bis heute vorgebracht wird, betrifft die Rückstände von Blausäure in den Gaskammern. Tatsächlich ist dies ein Punkt, der intuitiv zunächst überzeugend wirkt und ohne entsprechendes Expertenwissen schwer zu widerlegen ist.

Unstrittig ist, dass sich in den Wänden der zur Ermordung von Menschen verwendeten Gaskammern deutlich geringere Spuren von Blausäure (dem Wirkstoff von Zyklon B) finden als in jenen Räumen, in denen Zyklon B zu seinem ursprünglichen Zweck, der Tötung von Läusen, angewendet wurde. Leuchter und seine AnhängerInnen gehen daher davon aus, dass kaum Vergasungen von Menschen stattgefunden haben können.

Allerdings weist Leuchter damit unfreiwillig nach, was er widerlegen will! 

Aufgrund der unterschiedlichen Physiologie sterben Menschen nach deutlich kürzerer Zeit (ca. 15 Minuten) und aufgrund einer deutlich geringeren Dosis (0,03 prozentige Konzentration in der Luft) Zyklon B als dies bei Läusen der Fall ist (72 Stunden bei 1,6 Prozent). Kurz gesagt: Die deutlich höhere Konzentration von Blausäure in einer Gaskammer gegenüber einer niedrigeren in einer anderen ist für sich genommen ein sehr starkes Indiz für den Völkermord durch Vergasung – ungeachtet all der anderen Beweise, die es für den Holocaust gibt."