1975: Erstes Rauchverbot in Hörfunk- und Fernsehwerbung

Rauchen verboten am Hauptbahnhof. Foto: Jan Kolar / VUI Designer / Unsplash
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Rauchen soll schädlich sein? Jahrzehntelang haben die Tabakfirmen gegen diese Aussage gekämpft. Fake News wurden solche Aussagen genannt. Die Berühmte Oma, die mit 90 immer noch rauchte, bewies doch das Gegenteil. Trotzdem setzte irgendwann der Umschwung ein. Werbeverbote waren die ersten Anzeichen. 

In den 1970er Jahren wurden jährlich mehr als 120 Milliarden Zigaretten verqualmt, die sechsfache Menge von 1950. Die negativen Folgen stachen gleichzeitig immer mehr ins Auge. Die Lungenkrebstoten stiegen, die suchtmachende Wirkung des Nikotins konnte nicht mehr verharmlost werden. 1975 wurde erstmalig Hörfunk- und Fernsehwerbung für Tabakwaren verboten.

Schon die Nazis kannten die negativen Folgen

Das Nazi-Regime verurteilt Rauchen als Vergiftung der Volksgesundheit und verbot es in Straßenbahnen, Bussen und S-Bahnen. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt der größte Tabakimporteur der Welt – rund 80 Prozent der Männer rauchten. Frauen wurde das Rauchen generell verboten. Zu groß die Sorge des Regimes, sie könnten die Fortpflanzung des Volkes gefährden.

Nach dem Krieg stieg auch der Tabakkonsum 

Mit dem Wirtschaftsaufschwung kam auch der Qualm. Nicht nur aus den Fabrikschornsteinen. Rauchen wurde als Genuss beworben. Wer es sich leisten konnte, griff zur Zigarette oder gleich zur Zigarre. Ein Wirtschaftslenker ohne dicke Zigarre? Undenkbar. Frauen wurden als Zielgruppe übrigens erst später entdeckt. Zu Beginn durften Sie lediglich das Feuer reichen. 

Die Lobby war aber stark

Das Gesetz von 1975 verbot die Werbung lediglich in Hörfunk und Fernsehen. Auf Plakaten und in Zeitschriften durfte weiter geworben werden. Rauch wurde als harmloser Genuss beworben, Freiheit, Spaß, Individualität...das Image war ungebrochen. 

Auch wenn allen bekannt war, dass das Rauchen schädlich war, konkrete Maßnahmen blieben aus. Wie beim Klimawandel fanden sich immer wieder "Experten", die das alles gar nicht so schlimm fanden.

Immerhin, mehr als 10 Jahre später, 1997, stellte das Bundesverfassungsgericht offiziell fest, dass Rauchen gesundheitsschädlich ist. Es sei gesichert, dass Rauchen Krebs, Herz- und Gefäßkrankheiten verursache und nichtrauchende Mitmenschen erheblich gefährde. In der DDR gab es übrigens ein Rauchverbot in Gaststätten in der Mittagszeit von 11 bis 14 Uhr.

Seitdem wird weiter gekämpft

1998 verbietet die Lufthansa das Rauchen auf all ihren Flügen (im selben Jahr scheitert übrigens ein Nichtraucherschutzgesetz knapp im Bundestag). 2002 kommen Warnhinweise auf Zigarettenpackungen. 2003 verbietet die EU Tabakwerbung - Deutschland folgt dieser Richtlinie erst nach einer erfolglosen Klage am Europäischen Gerichtshof. 2004 verschärft die EU die Warnungen auf Zigarettenschachteln mit Bildern und Grafiken. 2007 verabschiedet die Bundesregierung ein "Bundesnichtraucherschutzgesetz". 2008 führten alle Bundesländer Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden und der Gastronomie ein – aber vielerorts mit Ausnahmen. 

Totales Rauchverbot?

Das Gaststättengesetz zeigte beispielhaft die Macht der Lobbyisten. Von einem Gaststättensterben wurde geredet, die Zigarette zum Bier als letzte Bastion der freien Welt hochgejazzt. Die Fake News hatten Erfolg.

So wurde in Berlin beispielsweise das Verbot so weit aufgeweicht, dass heute in allen Kneipen geraucht werden darf – aber kein Essen serviert. Denn in Restaurants ist Rauchen wieder verboten. In Bayern wiederum sorgte erst ein Volksentscheid für Klarheit. 2010 stimmten 61 Prozent der Bürger für ein absolutes Rauchverbot in bayerischen Gaststätten. Von einem Sterben bayerischer Gasthäuser ist nichts bekannt 

Quellen