1955: Hitler in Südamerika?

Kolumbien. Foto: Jeser Andrade Arango / Pixabay
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Immer wieder geistert diese Geschichte um die Welt. Schon 1955 sei Adolf Hitler in Südamerika entdeckt worden. Die CIA hätte durch einen Agenten den Aufenthaltsort erfahren. Fake News, wie sich schnell herausstellte. Doch die Geschichte hält sich hartnäckig.

Am 3. Oktober 1955 hatte der damalige Chef der CIA-Außenstelle in Caracas (Venezuela) ein Telegramm nach Washington geschickt. Der Inhalt: Seine Quelle "CIMELODY-3" habe von einem Bekannten namens Philip Citroen, ein früherer SS-Mann, ein Foto erhalten, auf dem Adolf Hitler zu sehen sei. Das Telegramm selber wurde 2017 veröffentlicht.

Sichere Quelle? 

Das (recht grobkörnige) Foto mit der Bildunterschrift "Adolf Schüttelmayer, Tunga, Kolumbien, 1954" zeigt einen Mann, der Hitler ähnelte – vor allem durch seinen Bart. Und selbst der Außenstellenleiter merkte selber explizit an, dass keine einzigen Informationen vorlägen, die Citroens Behauptungen bestätigten. 

Es gab keine geheime Jagd nach Hitler 

Verschwörungstheoretiker behaupten gerne, dass die CIA selber an einen südamerikanischen Aufenthaltsort Hitlers geglaubt habe. Das Dokument wäre ein Beweis dafür. Doch das Telegramm veranschaulicht lediglich die routinemäßige Vorgehensweise eines Nachrichtendienstes. Bietet eine Quelle interessante Informationen an, werden sie dokumentiert, analysiert und bewertet – und zu den Akten gelegt. Mehr aber auch nicht.  

Hartnäckige Fake News

Für Verschwörungsfans ist allein die Tatsache, dass ein CIA-Außenposten die Information aufnahm und weiterleitete, Beweis genug. Was schwarz auf weiß steht, muss auch wahr sein. Eine tiefere Analyse ist nicht notwendig.  

Quellen