1906: Der Hauptmann von Köpenick

Friedrich Wilhelm Voigt, ausnahmsweise ohne Uniform
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Ein weiterer Klassiker der zeigt, wie einfach es ist, Menschen von etwas zu überzeugen. Eine Uniform und gutes Auftreten reicht. Selbst der Kaiser soll gelacht haben. Ob er es wirklich getan hat?

Friedrich Wilhelm Voigt war von Beruf Schuster. Wobei er einen Hauptteil seiner Lebenszeit in Gefängnissen verbracht hat. Als Hauptmann von Köpenick hat er sich selbst ein Denkmal gesetzt. Weltweit berühmt verbrachte er die zweite Hälfte seines Lebens als lebende Legende. Dabei war seine Straftat, und nichts anderes war es, eigentlich, nur mit viel Glück möglich. Die Ausschmückung der Geschichte in Film und Theater war aber einfach zu schön.

Die Geschichte kennt in Deutschland jedes Kind

Voigt hatte sich bei einem Trödler die Uniform eines Hauptmanns organisiert und marschierte verkleidet und in Begleitung von Gardesoldaten, die er von seinem Auftrag und Rang überzeugt hatte, nach Köpenick, damals ein Vorort von Berlin. Dort verhaftete er den Bürgermeister und beschlagnahmte die Stadtkasse. Er entkam unerkannt, wurde jedoch einige Tage später aufgrund eines Hinweis eines ehemaligen Zellengenossen verhaftet.

Besser als die Realität

Entgegen der bekannten Theaterstücke und Verfilmungen übte Voigt den Auftritt als Offizier. Mehrmal wagte er sich in Uniform in die Öffentlichkeit, der Coup selber war lange geplant.

Die Soldaten die er zufällig rekrutierte, waren größtenteils noch in der Ausbildung. Neben Ihrer Kaserne lag ein Altenteil verdienter ehemaliger Offiziere. Dass ein älterer, nachlässig gekleideter Offizier ihnen Befehle gab, war für sie selbstverständlich.

In Köpenick gab es keine Passstelle. Voigt gab an, dass er die ganze Sache nur wegen einem Pass unternommen hätte, die Stadtkasse sei ihm aufgedrängt worden. Zweifelhaft, dass Voigt dies bei der Vorbereitung übersehen hat.

Und trotzdem...

Die Geschichte um den Hauptmann von Köpenick zeigte, wie sehr sich die Deutschen (damals) von der Macht der Uniform beeindrucken ließen. Eine schönes Beispiel, dass der äußere Schein wie so häufig trügt. Voigt selber kam mit vier Jahren Haft, aus der er vorzeitig entlassen wurde, relativ glimpflich davon.

Noch in der Haft schenkte eine Gönnerin ihm eine lebenslange Rente. Mit der Uniform und seiner Geschichte reiste er nach Verbüßung seiner Haft als wohlhabender Mann durch die Lande, verkaufte Postkarten und schaffte es als Hauptmann von Köpenick sogar bis nach Amerika.

Quellen