1987: Die Barschel Affäre

Auschnitt aus Wahlplakat mit Uwe Barschel. Foto: rchiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP)
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Die Barschel Affäre bietet bis heute Anlass zu Spekulationen. Falschaussagen, Verleumdungskampagnen und Fake News begleiteten die Aufklärung des Skandals. Bis heute ist der Tod Uwe Barschels ungeklärt. 

Am 13. September 1987, dem Samstag vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein, wurde öffentlich, dass Der Spiegel in seiner am Montag nach der Wahl erscheinenden Ausgabe über eine Verleumdungskampagne des CDU Spitzenkandidaten Uwe Barschel gegen den Herausforderer Björn Engholm berichten werde.

Der Spiegel stützte sich auf Informationen des wegen Verleumdung vorbestraften Medienreferenten Reiner Pfeiffer, der Ende 1986 vom Axel-Springer-Verlag als Medienreferent an die Kieler Landesregierung vermittelt worden war. In späteren Untersuchungen wurde die Rolle Pfeiffers immer undurchsichtiger. So wurde unter anderem die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen Pfeiffers sowohl von Seiten der Staatsanwaltschaft, als auch von Seiten eines Untersuchungsausschusses grundsätzlich in Zweifel gezogen.

Barschels Ehrenwort 

Auf einer Pressekonferenz am 18. September 1987, fünf Tage nach der Wahl, erklärte Barschel: 

„Über diese Ihnen gleich vorzulegenden eidesstattlichen Versicherungen hinaus gebe ich Ihnen, gebe ich den Bürgerinnen und Bürgern des Landes Schleswig-Holsteins und der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort – ich wiederhole: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort! – dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind.“

Auf Grund zunehmenden Drucks aus seiner Partei musste Barschel schließlich am 2. Oktober als Ministerpräsident zurücktreten. 

Tod Barschels 

Am 11. Oktober, einen Tag bevor er vor dem Untersuchungsausschuss des schleswig-holsteinischen Landtages aussagen sollte, wurde Uwe Barschel um 12:43 Uhr von Stern-Reporter Sebastian Knauer, tot in der Badewanne im Hotel Beau-Rivage in Genf aufgefunden. (Die Veröffentlichung des Toten allein sorgte für einen Skandal).

Nach den offiziellen Ermittlungen und Bekanntmachungen soll Barschel durch Suizid begangen haben. Einige Begleitumstände blieben jedoch offiziell ungeklärt, weshalb dieses Ermittlungsergebnis bis heute umstritten ist. 

Zur Aufklärung der Affäre wurde vom Landtag Schleswig-Holstein ein Untersuchungsausschuss eingesetzt, der in monatelanger Arbeit die Vorgänge des Jahres 1987 aufarbeitete. Allerdings konnte eine vollständige Aufklärung durch den Ausschuss nicht erreicht werden.

Die Schubladenaffäre

Nach dem Tod Barschels erhielt Pfeiffer von dem SPD-Landesvorsitzenden Günther Jansen zwischen 40.000 und 50.000 D-Mark in bar. Das Geld will Jansen als Geldspenden für Pfeiffers Notlage gesammelt und in einer Schublade aufbewahrt haben. Die Schubladenaffäre gab den Anlass zu einem zweiten Untersuchungsausschuss Anfang der 1990er Jahre, der im Ergebnis den ehemaligen Ministerpräsidenten Barschel ent- und den Kronzeugen Pfeiffer belastete.

Auch Björn Engholm, Nachfolger Barschels, musste zugeben, gelogen zu haben. Er hatte bereits vor der Landtagswahl von den Machenschaften Pfeiffers gegen sich gewusst, dies aber später vor dem ersten parlamentarischen Untersuchungsausschuss geleugnet und sich damit möglicherweise einer Falschaussage schuldig gemacht. Er musste als SPD Ministerpräsident und Bundesvorsitzender zurücktreten.

Ausgang offen 

Bis heute sind viele Details der Affäre nicht geklärt. Insbesondere die Frage, ob der Tod Barschels Suizid war oder doch Mord gibt bis heute Anlass für vielfältige Spekulationen. 

Quelle