1984: Einführung des Kat

Stau auf Straße. Foto: anaterate / Pixabay
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Die damalige Bundesregierung beschloss im September 1984 die Einführung des Katalysators für alle Benziner. Gegen heftigen Widerstand der Autoindustrie. Die Argumente sind die gleichen wie aktuell bei der Nachrüstungsdebatte zum Dieselskandal: Der Untergang der Autoindustrie.

"Saurer Regen" und "Waldsterben" waren damals Schlagworte, die in aller Munde waren. Die Folgen für den Wald kann man auch heute noch im Harz sehen. Das Kabinett unter Helmut Kohl musste handeln. Die Einführung der Katalysatortechnik versprach schnelle Erfolge. Doch der Widerstand war groß. Nicht nur die Autoindustrie befürchtete Absatzeinbußen, auch aus dem europäischen Ausland hagelte es Kritik, da man sich zum Nachziehen gezwungen sah, um die deutschen Autofahrer nicht für die Tourismusindustrie zu verlieren.

Umweltprobleme ließen sich nicht länger leugnen

Katalysatoren minderten mit Hilfe katalytisch aktiver Edelmetalle (Platin oder Rhodium) auf einem Keramik- oder Metallträger Abgasschadstoffe. Der Kampf galt den drei dominanten Schadstoffen: dem Blutgift Kohlenmonoxid, krebserregenden und ozonbildenden Kohlenwasserstoffen sowie den Stickoxiden, die sowohl als Atemgift gelten als auch an der Bildung von Smog und saurem Regen beteiligt sind. Ungeregelte Kats schaffen nur etwa 50 Prozent der Schadstoffe. Erst mit dem geregelten Kat lassen sich maximale Raten erzielen.

Argumente aus der Mottenkiste

Die Industrie lancierte eine Kampagne gegen den Kat. Mehrverbrauch, höhere Kosten, Haltbarkeitsprobleme, Brandgefahr oder Motorschäden durch Bleifrei-Sprit waren die gängigsten Einwände. Da die Katalysatoren zudem auf bleifreies Benzin angewiesen waren, musste gleichzeitig auch die Kraftstoffversorgung umgestellt werden. Dass zu diesem Zeitpunkt die Kat-Technik in Japan und den USA infolge von Smog-Problemen längst etabliert war… geschenkt.

Steuergeld und großzügige Übergangsfristen

Um die Gegner zu besänftigen, wurde eine Übergangszeit von fünf Jahren angesetzt. Steuerliche Vorteile machten den Katalysator zudem bei den deutschen Autokäufern schnell populär, so dass auch die skeptische Industrie Gefallen an der Regelung fand. Schließlich konnten sie so neue Autos verkaufen.

Untergang konnte abgewendet werden

Augenscheinlich hat die Industrie die "verrückten Ideen von ein paar Umweltschützern" überlebt. Der Einführung der Technologie zahlte sich zudem aus. Ohne den Kat hätten die Märkte in USA und Japan nicht gehalten werden können. Zudem mussten auch andere Länder nachziehen, so dass ein Wettbewerbsvorsprung für die deutsche Automobilindustrie entstand.

Wer die aktuellen Debatten um Grenzwerte, Euronormen und saubere Abgastechnologien verfolgt, erkennt das gleiche Muster. Als Dreiklang formuliert: "Geht nicht, zu teuer, bringt nichts". Am Ende haben sich neue Techniken aber immer als sinnvoll erwiesen.

Quellen

P.S.: Ein Artikel aus dem Spiegel vom 29.10.1984 könnte auch heute erscheinen, nur in Verbindung mit dem Dieselbetrug der Autoindustrie:

Die Auto-Kundschaft ist verunsichert: Soll ein Auto mit oder ohne Katalysator bestellt werden? Oder ist es am besten, erst mal abzuwarten? ...Die Deutschen, so klagt Branchensprecher Achim Diekmann vom Verband der Automobilindustrie in Frankfurt, seien durch die Katalysator-Beschlüsse der Bundesregierung und durch die Diskussion um ein Tempolimit "tief verunsichert".

Tatsächlich weiß ein Bundesbürger, der sich demnächst ein Auto kaufen will, kaum noch, was er tun soll: Entscheidet er sich für ein Fahrzeug ohne Katalysator, läuft er Gefahr, daß der Wagen rasch an Wert einbüßt und er ihn in einigen Jahren kaum noch los wird.

Kauft er ein Katalysator-Fahrzeug, hat er auf absehbare Zeit nur die Auswahl unter wenigen und dazu meist teuren Modellen. Vor allem aber muß er sich sorgen, ob er für sein Fahrzeug auch den erforderlichen bleifreien Sprit findet. Die Folge: Viele Bundesbürger warten ab und fahren ihr altes Auto erst einmal weiter. Er kenne Händler, so verriet der Chef einer süddeutschen Autofirma, bei denen habe schon seit Wochen "niemand mehr nach einem Prospekt gefragt".