1981: Wahlbeteiligung in Deutschland über 99 % ­-­ Ein Fake an den sich schon alle gewöhnt hatten

Das Präsidium der Volkskammer der DDR hat die 7. Tagung der Volkskammer für den 14.12.88 nach Berlin einberufen. Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1988-1129-033 / Settnik, Bernd / CC-BY-SA 3.0
twittertwitter

Die achte Volkskammerwahl der DDR fand am 14. Juni 1981 statt. Die Abgeordneten der Nationalen Front erhielten 99,86 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 99,21 Prozent. Diese Angaben wurden offiziell herausgegeben. Doch jede*r wusste, die Zahlen konnten nur ein Fake sein.

SED an die Macht

Nach der Gründung der DDR wurden im Oktober 1949 alle zugelassenen Parteien und Massenorganisationen in der so genannten Nationalen Front vereinigt, einem "Bündnis aller patriotischen Kräfte unter der Führung der geeinten Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei“. Im Klartext hieß dies die vollständige Gleichschaltung aller Parteien und Massenorganisationen. Ziel war der Machterhalt der SED.

Mehr Schein als Sein

Geheime und freie Wahlen gab es nicht. Die Stimmzettel für die Volkskammerwahlen bis hin zu den Kommunalwahlen waren Einheitslisten, auf denen alle Kandidaten standen. Eine Veränderung der Stimmzettel war nicht vorgesehen. Sie sollten unverändert und offen in die Urnen geworfen werden. In der Regel mussten trotzdem die Wahlergebnisse gefälscht werden, damit 99 Prozent Ja-Stimmen herauskamen. Dass sie nicht stimmten und viele Angaben gefälscht waren, konnte nach dem Ende der DDR aufgrund der gefundenen Unterlagen nachgewiesen werden.

Auf dass sich ja nichts ändert

Über 99 Prozent der Stimmen bedeuteten offiziell natürlich eine breite Zustimmung. Elf Tage nach der Wahl von 1981 fand die konstituierende Sitzung der Volkskammer statt. Der Ministerrat blieb im Wesentlichen unverändert: Erich Honecker blieb Staatsratsvorsitzender.

Quellen