1967: Benno Ohnsorg wird erschossen – die Tat wird vertuscht

Studentenrevolte 1967/68, West-Berlin
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Am 2. Juni 1967 wurde auf einer Demonstration gegen den Schah der 26-Jährigen Student Benno Ohnsorg erschossen. Der Täter war der West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras. Der Schuss erfolgte aus kurzer Distanz in den Hinterkopf. Versuche die Tat zu verschleiern scheiterten. 

Der Schah war auf Besuch in Berlin. Tausende Studierende demonstrierten gegen den autokratischen Herrscher und sein Regime. In der damaligen aufgeheizten Atmosphäre kam es unweigerlich zu Zusammenstößen. Am Abend des 2. Juni war ein Besuch des Schahs in der Berliner Oper geplant. Ab 19 Uhr hatten sich rund 2000 Demonstranten versammelt. 

Knüppel raus - Die Berliner Polizei griff mit brutalen Maßnahmen durch

Bis zum Eintreffen des Schahs um 20 Uhr griff die Polizei immer wieder Einzelne aus der Menge. Nachdem das Schahehepaar die Oper betreten hatte, begannen etwa 4000 Polizisten die Demonstration mit Knüppeln, Wasserwerfern und Reizgas gewaltsam aufzulösen. Benno und Christa Ohnesorg wurden mit der Menge zur Kreuzung Krumme Straße/Bismarckstraße gedrängt.

Im Hinterhof wurde es dunkel

Polizisten in Zivilkleidung verfolgten fliehende Demonstranten, um sie weiter zu verprügeln und vermeintliche Rädelsführer festzunehmen (intern "Fuchsjagd" genannt). Im Innenhof des Gebäudes Krumme Straße Nr. 66/67 (heute Schillerstraße 29) kam es schließlich zum tödlichen Schuss. Um 20:30 Uhr erschoss der Polizist Kurras den Studenten aus 1,50 Meter Entfernung in den Hinterkopf. 

Fake News gaben den Studenten die Schuld

Der Polizeipräsident, der Berliner Innensenator und der regierende Bürgermeister gaben den demonstrierenden Studenten die Alleinschuld am Tod Ohnesorgs (alle mussten angesichts der Tatsachen in den folgenden Monaten zurücktreten). Die Bild-Zeitung, ohnehin nicht gerade auf Seiten Studenten, löste eine Kampagne aus.

Im ersten Verfahren wurden entscheidende Beweisstücke und Zeugenaussagen nicht zugelassen. Im Revisionsverfahren wurden erwiesene Falschaussagen von Polizisten und Kuraz selber nicht berücksichtigt. 

Kuraz blieb straffrei

Der Schütze wurde nicht belangt, trotz der teils erdrückenden Beweise gegen ihn und den erwiesenen Manipulationen der beteiligten Polizisten und Ärzte. Erst im Jahr 2009 wurde bekannt, dass Kuraz für die Stasi gearbeitet hatte. Die Nachermittlungen erwiesen die Vertuschungen, Absprachen zwischen Polizei und Verteidigern und die Falschaussagen der Kollegen und Vorgesetzten.

Klar ist, dass Kuraz auf Ohnesorg ohne Auftrag, unbedrängt und wahrscheinlich gezielt geschossen hatte. Weder er, noch die Vergehen der anderen Beteiligten sind je geahndet worden. Der Tod Benno Ohnesorg wurde mit zum Gründungsmythos der RAF. 

Quellen