1943: „Operation Züchtigung“ – Die Zerstörung der Möhne-Talsperre

Durch den Bombenangriff stark beschädigte Staumauer mit Sperrballonen zur Abwehr von feindlichen Flugzeugen (1943). Foto: Flying Officer Jerry Fray RAF
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n der Nacht des 16. auf den 17. Mai zerstörten britische Bomber die 40 m hohe und 650 m lange Staumauer der Möhne-Talsperre. Die Schäden waren verheerend und schnell machten Gerüchte und Fake News die Runde. Diese sprachen von über 30.000 Toten. 

Die Möhne-Talsperre liegt im nordrhein-westfälischen Kreis Soest und gehörte zu den größten Talsperren in Deutschland. Dem Angriff gingen mehrjährige Planungen und Vorbereitungen voraus. Das Bomberkommando hatte den Auftrag in dieser Nacht fünf Talsperren in Deutschland zu zerstören. Lediglich eine Operation gelang. Die nach dem Bruch der Möhne-Talsperre entstandenen Schäden waren verheerend und hatten das gesamte Ruhrtal weiträumig verwüstet.

Luftbild der Royal Air Force zeigt den staumauernahen Seeteil mit der stark beschädigten Staumauer und einem überschwemmten Bereich im Möhnetal. Foto: IWM staff photographer, Royal Air Force official photographer
Luftbild der Royal Air Force zeigt den staumauernahen Seeteil mit der stark beschädigten Staumauer und einem überschwemmten Bereich im Möhnetal. Foto: IWM staff photographer, Royal Air Force official photographer

Gerüchte nach dem Angriff

Im Deutschen Reich machten schnell Gerüchte die Runde. Mehr als 30.000 Todesopfer wurden gemutmaßt. Anfang Juni 1943 veröffentlichten die deutschen Behörden in der Presse die Zahl der geborgenen Toten. Mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme nach einem Luftangriff versuchte die NS-Regierung, weiteren Gerüchten entgegenzuwirken. Nach der amtlichen Pressemeldung, wurden bis dahin 1.579 Todesopfer festgestellt, darunter nicht weniger als 1.026 ausländische Arbeitskräfte.

Schuld sollten die Juden kriegen

Die NS-Propaganda versuchte zunächst, den britischen "Angriffserfolg" zu relativieren und Schuldige zu finden. Die Luftabwehr hätte funktioniert, wenn nicht das „Judentum“ am Werk gewesen sei. Titelschlagzeilen wie "Juden Urheber der Talsperren-Bombardierung" und "Talsperrenanschlag Werk der Juden" erschienen, konnten aber selbst die eingeschworene deutsche Bevölkerung nicht überzeugen. Stattdessen wuchsen Zweifel an den Fähigkeiten der Luftwaffe. 

Die Folgen

Die im Ruhrtal besonders zwischen Neheim und Hagen entstandenen Sachschäden erwiesen sich als folgenschwer. Sie erreichten jedoch keineswegs die von den britischen Zielplanern erhofften Auswirkungen. Trotzdem erwies sich der Angriff auf die Talsperren, vor allem auf den Möhne-Staudamm, durchaus als ein "schwerer Schlag" gegen die Ruhrindustrie, die direkten Produktionsschäden waren nicht unerheblich.

Bis heute wird auf Gedenkveranstaltungen an die Toten dieser Nacht erinnert.

Quelle