1961: Spinat ist gesund

Foto: Thilo Becker / Pixabay
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Am 8. Mai 1961 lief das erste Päckchen Rahmspinat der Iglo GmbH vom Band. Der tiefgefrorene Spinat mit dem "Blubb" wurde ein voller Verkaufserfolg. Dahinter stand auch der Mythos vom angeblich hohen Eisengehalt des Spinats. Ein Fake, der sich fast ein Jahrhundert lang gehalten hat.

Die Werbung mit dem "Blubb" kennt jede*r – wenn sie/er über 30 ist. Jüngere Leser*innen müssen sich die Videos auf You-Tube angucken. Bis zur Einführung des Tiefkühlspinats war das Gemüse aufwändig zuzubereiten und der Geschmack, naja...Viele Kinder verabscheuten die Konsistenz und den bitteren Geschmack des Gemüses. Gegessen wurde trotzdem was auf dem Tisch stand. Denn Spinat sei ja sooo gesund, vor allem wegen des hohes Gehaltes an Eisen.

Ein Fake

Der Eisengehalt von frischem Spinat ist mit 2,6 Milligramm auf 100 Gramm eher gering. Wer bei seiner Ernährung Wert auf blutbildendes Eisen legt, der sollte sich eher an Leberwurst (5,9 mg), Schokolade (6,7 mg) und Pistazien (7,3 mg) halten. Zudem enthält Spinat auch sehr viel Oxalsäure, die bindet das Eisen und der Verdauungstrakt kann nicht viel davon aufnehmen.

Die Legende vom hohen Eisengehalt

Der Ursprung der Legende des hohen Eisengehaltes liegt weit zurück. Eine Erklärung sind die Ergebnisse des Schweizer Wissenschaftlers Gustav von Bunge. Er hatte 1890 den Eisengehalt von 100 Gramm Spinat korrekt mit 35 Milligramm beziffert. Allerdings verwendete er getrockneten Spinat. Anschließend wurde das Ergebnis einfach auf frischen Spinat übertragen. Dieser besitzt aber einen hohen Wassergehalt und damit nur rund ein Zehntel an Eisen je 100 Gramm.

Eine andere, weit verbreitete Erklärung lautet, dass Wissenschaftler sich vor etwa hundert Jahren in einer Nährwert-Tabelle um eine Kommastelle vertan hätten. Diese Behauptung hatte unter anderem der britische Krebsspezialist T. J. Hamblin 1982 aufgestellt. Im Jahr 2010 hat T.J. Hamblin aber selbst geschrieben, dass die Erklärung mit dem fehlplatzierten Komma höchstwahrscheinlich falsch ist.

Popeye als Kronzeuge

Wie auch immer, die Legende hielt sich hartnäckig und jahrzehntelang wurden Kinder mit der Pampe gequält. 1929 erfand der Zeichner Elzie Segar die Comicfigur Popeye, dem der Genuß einer Dose Spinat immer zu übermenschlichen Kräften verhalf. Angeblich soll der gezeichnete Seemann den Spinatkonsum in den USA um ein Drittel gesteigert haben.

Wer an dieser Stelle denkt, Spinat ist doch gar nicht so schlimm, dem sei recht gegeben. Man muss aber bedenken, dass neue Züchtungen dem Spinat den bitteren Beigeschmack früherer Sorten ausgetrieben haben. Die "Blubb"-Sahne ist gar nicht mehr nötig. Und gesund ist er auch – genauso wie viele andere Gemüsesorten.

Quellen