1960: Der erste Ostermarsch

Ostermarsch 1960 von Hamburg nach Bergen-Hohne (die anderen Sternmarsch-Gruppen kamen von Bremen, Braunschweig und Hannover). Foto: Konrad Tempel
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Der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer wollte die nukleare Bewaffnung der noch jungen Bundesrepublik. Die Alliierten sperrten sich, doch auch die eigene Bevölkerung glaubte den Erklärungen der Regierung nicht. Die Ostermärsche entstanden. 

Die Regierung verharmloste die Gefährlichkeit der Atomwaffen. Adenauer erklärte am 5. April 1957 auf einer Pressekonferenz, die neue Generation von taktischen Nuklearwaffen sei "nichts weiter als die Weiterentwicklung der Artillerie. Selbstverständlich können wir nicht darauf verzichten, dass unsere Truppen auch in der normalen Bewaffnung die neueste Entwicklung mitmachen". Er verlangte von den USA den alleinigen Zugriff auf Atomsprengköpfen, die zum Abschuss durch Artillerie mit einer Reichweite von 15 bis 20 Kilometern geeignet waren. 

Die Friedensbewegung entstand

Atomwaffen wurden damals von vielen Regierungen als effektives Mittel der Abschreckung, aber auch der Kriegsführung gesehen. Der Rat an die Bevölkerung: Im Falle eines Angriffs nicht in den Blitz sehen, auf den Boden legen, abwarten. Kindern wurde beigebracht, sich in den Schulen unter die Bänke zu flüchten. Heutzutage sind diese alten Filme fast schon rührend anzusehen. Wenn der Hintergrund nicht so ernst wäre. 

Gegen die geplante Aufrüstung durch Adenauer formierte sich die Kampagne „Kampf dem Atomtod“. Am 17. April 1958 fanden Demonstrationen in Bremen, Kiel, München, Mannheim, Dortmund Essen und Hamburg statt. Die Massenkundgebungen erreichten im Frühjahr insgesamt etwa 1,5 Millionen Teilnehmer. Eine breite Bewegung entstand, aus dieser entstanden schließlich die Ostermärsche. 

Erstes deutsches Ostermarsch-Flugblatt. Foto: Konrad Tempel
Erstes deutsches Ostermarsch-Flugblatt. Foto: Konrad Tempel

Die Ostermärsche

Der erste Ostermarsch fand schließlich 1960 statt. An einem mehrtägigen Sternmarsch von Hamburg, Bremen, Hannover und Braunschweig zum Truppenübungsplatz Bergen-Hohne nahmen rund 1.200 Teilnehmer teil. Seitdem finden in vielen verschiedenen Städte Deutschlands immer am Ostermontag Kundgebungen statt, in den Hochzeiten mit bis zu 700.000 Menschen.

In den letzten Jahren machen sich nur noch wenige Menschen auf den Weg. Die Bedrohungslage hat sich verändert, die Welt der Nuklearwaffen ist unübersichtlicher geworden, wenn auch nicht weniger gefährlich. 

Christlicher Ursprung des Osterspaziergangs

Am Tag der Wiederauferstehung treffen zwei der Anhänger Jesu Christi. Sie sind auf den Weg in die Stadt Emmaus. Aus dieser Geschichte entstand der sogenannte Emmaus-Gang, der eigentlich mit Gesang und Gebet vollzogen wird.

Aus dem Emmaus-Gang wurde dann mit der Zeit der Osterspaziergang, wie wir ihn heute kennen – als Spaziergang in der freien Natur, die gerade aus dem Winterschlaf erwacht. Aus dem klassischen Osterspaziergang wurden die Ostermärsche der Friedensbewegung. 

Quellen