1991: Ende des Golf(-Medien)krieges

Zerstörter IFA W50 der irakischen Armee aus DDR-Produktion
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Am 12. April 1991 trat der Waffenstillstand zwischen dem Irak und den Koalitionsstreitkräften in Kraft. Der Krieg war offiziell beendet. Die Amerikaner hatten diesen Krieg auch zu einer Medienschlacht gemacht. Journalisten waren vielfach Teil des Systems. Die Folgen sind bis heute zu spüren.

Lügen und Fake News im Vorfeld des Krieges

Der Golfkrieg begann mit der gewaltsamen Eroberung Kuwaits durch den Irak am 2. August 1990. Inwieweit die USA den Krieg befördert hatten, ist strittig. So betonte im Vorfeld des Krieges das Außenministerium der Vereinigten Staaten gegenüber dem Irak, dass die USA keine spezifischen Verteidigungs- oder Sicherheitsabkommen mit Kuwait hätten. Saddam Hussein verstand diese Aussage als Einladung. Ob dies auch so gemeint war, ist nicht geklärt.

Zur Rechtfertigung des Krieges wurden seitens der Amerikaner verschiedene Gräuelberichte in die Massenmedien lanciert. Eine davon wurde als die "Brutkastenlüge" bekannt. Den irakischen Truppen wurde vorgeworfen, in kuwaitischen Krankenhäusern Babys aus Brutkästen gerissen und dadurch ermordet zu haben.

Nach dem Krieg stellte sich heraus, dass eine New Yorker PR-Firma diesen Fake in Umlauf gebracht hatte. Die fünfzehnjährige Nijirah al-Sabah, die als angebliche Krankenschwester unter Tränen vor dem US-Kongress von den Säuglingsmorden berichtete, war die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA. Ein angeblicher Chirurg, der als Zeuge vor den Vereinten Nationen auftrat, war in Wahrheit Zahnarzt und gestand später ein, gelogen zu haben. 

Medienaufsicht im Krieg

Die USA setzten den Medienkrieg auch während des Krieges fort. Die meisten Presseinformationen kamen aus den durch das Militär organisierten Informationsveranstaltungen, so genannten Briefings. Nur ausgewählten Journalisten wurden der Zugang zur Armee erlaubt. Diese „Embedded Journalists“, waren fortan in einem Medienpool eingespannt, der von den amerikanischen Streitkräften kontrolliert und zensiert wurde. 

Viele amerikanische Journalisten blieben auch während des Krieges in der irakischen Hauptstadt Bagdad stationiert, die Ankunft der Raketen wurde nahezu zeitgleich in den abendlichen Fernseh- und Rundfunknachrichten in Amerika übertragen. Die Reporter hatten rechtzeitig einen Tipp bekommen. 

Aktuelle Bezüge

Der Krieg gegen den Irak wurde von Anfang an seitens der Amerikaner mit Lügen und Propaganda begleitet. Und viele Medien machten nur zu gerne mit. Bei den Begründungen für den Krieg versagten die Alarmsysteme im Journalismus. Viel zu viele kritische Stimmen wurden nicht gehört. Und auch während des Krieges ist die Medienschelte gerechtfertigt. Teil des amerikanischen Journalistenpools zu werden bedeutete Ruhm und Einschaltquoten. 

Glücklicherweise hat seitdem die kritische Berichterstattung wieder zugenommen. Aber jeder Krieg ist seitdem auch ein Krieg um die Deutungshoheit in den Medien. Ukraine, Syrien, Jemen…, die Gemengelage ist meist verworren. Berichte aus Kriegsgebieten müssen generell immer kritisch gesehen werden. "Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges".

Quellen