2003: Jessica Lynch – Heldin oder Fake?

Humvee in Afghanistan. Foto: Amber Clay / Pixabay
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Im Dritten Golfkrieg wurde die US-Soldatin Jessica Lynch zur Symbolfigur der amerikanischen Streitkräfte. Eine US-Spezialeinheit befreite Jessica Lynch aus einem Krankenhaus in Nasiriyya. Die Befreiungsaktion sorgte für großes Aufsehen bei der US-Presse. Hinterher stellte sich heraus: Alles gefälscht. 

Schon wenige Stunden nach Lynchs Befreiung wurden vom US-Militär dramatisch wirkende Filmaufnahmen der Kommandoaktion freigegeben. Gleichzeitig erschienen Presseberichte, in denen Lynch zur Heldin erklärt wurde, die bis zur letzten Patrone gekämpft und zahlreiche Iraker getötet habe. Auch sei sie während ihrer Gefangenschaft misshandelt und möglicherweise sogar vergewaltigt worden.

Kritische Medienaufarbeitung

Schon früh wurden Zweifel an der Darstellung der Amerikaner laut. Bereits im Juni 2003 wurde ein Dokumentarfilm des BBC-Kriegskorrespondenten John Kampfner veröffentlicht, in Anlehnung an den Spielfilm "Saving Private Ryan" mit dem Untertitel "Saving Private Jessica: Fact or fiction?". In Deutschland strahlte das Fernsehmagazin Monitor einen Bericht über die mögliche Inszenierung der Rettungsaktion am 19. Juni 2003 aus.

Jessica Lynchs medienwirksam dargestellte Rettung. Foto: public domain
Jessica Lynchs medienwirksam dargestellte Rettung. Foto: public domain

Untersuchung klärt den Vorfall

Im Juli 2003 veröffentlichte auch die US-Armee einen Untersuchungsbericht, der sich mit dem Einsatz der 507th (und damit auch mit dem Fall Lynch) befasste. Als Gründe für den unglücklich verlaufenen Einsatz wurden darin Ausbildungsmängel, Unerfahrenheit und menschliches Versagen insbesondere des Kompaniechefs angegeben.

Laut Bericht verunglückte der Humvee, indem er unter feindlichen Beschusses außer Kontrolle geriet und auf einen stehenden Sattelzug auffuhr. Alle Insassen kamen ums Leben. Nur Lynch erlitt schwere Verletzungen und wurde von Irakern aus dem Wrack geborgen.

Irakische Ärzte kümmerten sich um Lynch

Laut späteren Recherchen sollen sich das irakische Krankenhauspersonal und die Ärzte um die verletzte Soldatin gekümmert haben. Angehörige eines Arztes sollen Blut gespendet haben. Als Iraker versuchten, die Verletzte in einem Krankenwagen an amerikanische Soldaten zu übergeben, wurde der Wagen von den Soldaten beschossen. Als Lynch von der Spezialeinheit aus dem Krankenhaus abgeholt wurde, war das Gebiet frei von irakischen Soldaten. 

Bei einer Anhörung durch den US-Kongress am 24. April 2007 warf Lynch dem Pentagon vor, den Fall zu Propagandazwecken missbraucht und der Öffentlichkeit bewusst getäuscht zu haben. Die Propaganda-Inszenierung erreichte damals ihren Zweck. Amerika hatte die Heldin, die dieser von Anfang an mit Lügen durchsetze Krieg benötigte. 

Quellen