1906: Einführung der Diäten für Abgeordnete

Eine Sitzung des konstituierenden Reichstages, Februar-April 1867; Bismarck steht direkt unterhalb des Pultes des Parlamentspräsidenten. Der konstituierende Reichstag verhandelte mit den verbündeten Regierungen über die Norddeutsche Bundesverfassung. Eröffnet wurde das Gremium am 24. vom König im Berliner Schloss, die erste Sitzung fand am Tag danach statt.
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Diäten für Abgeordnete behindern das freie Mandat. Der Beruf "Politiker" soll gar nicht erst entstehen. So die Begründungen gegen eine Entlohnung für gewählte Parlamentarier. Alles nur Fakes, denn die Wahrheit war eine andere. 

Seit Januar 1874 erhielten Abgeordnete des Reichstages lediglich eine Freifahrkarte für die Bahn zur Anreise. Abgeordnete mussten über Vermögen verfügen, um ihr Mandat überhaupt finanzieren zu können. Die Begründung war einfach: keine Berufsparlamentarier! Die Unabhängigkeit der Parlamentarier sollte erhalten bleiben. Ein Fake, denn die wirklichen Gründe waren profaner.

Reichskanzler Otto von Bismarck, der über viele Jahre die Politik im Deutschen Reich bestimmte, wollte keine Sozialdemokraten im Reichstag. Diese kamen zu einem großen Teil aus der Arbeiterschaft und konnten wegen ihrer Arbeit an vielen Sitzungen nicht teilnehmen. Arbeiter und kleine Angestellte (naturgemäß die Klientel der SPD) waren daher per se in ihrem Mandat benachteiligt. 

Geld als Lockmittel

Doch wie kam es 1906 (andere Quellen sprechen von 1901) zu der Änderung? Das Problem war, dass auch diejenigen Abgeordneten, die ausreichend Geld besaßen, den Sitzungen oft fernblieben. Deshalb war der Reichstag häufig beschlussunfähig. So ging es nicht weiter!

Ein Anwesenheitsgeld wurde für viele Abgeordnete zu einem Anreiz, an den Sitzungen teilzunehmen. Das Geld nennt man noch heute Diät, der "Tagelohn", denn der Begriff kommt aus dem Lateinischen von "dies", dem Tag. 

Quellen