1996: Der Fälscher Michael Born

Amateur-Filmstudio. Foto: Jakob Owens / Unsplash
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Der TV Journalist hatte jahrelang Redaktionen mit frei erfundenen Beiträgen genarrt. Am Ende waren es über 30 Fälle, viele davon bei Stern TV von Günther Jauch. Fake News auf hohem Niveau. 

Ku-Klux-Klan in Deutschland: Kapuzenmänner in Weiß verbrennen in einer Felsenhöhle ein Holzkreuz und stoßen Nazi-Parolen aus. Drama im deutschen Wald: Gemeine Jäger erschießen unschuldige Katzen beim Spaziergang durchs Gehölz. Traurige Kinder in Indien: Die Firma Sheena in dem Ort Panepat, 150 Kilometer von Neu-Delhi entfernt, lässt Kinder für das schwedische Möbelhaus Ikea den Baumwollteppich "Byvang" knüpfen - alle Nachrichten sind frei erfunden und gefälscht.

Nachgestellt von Bekannten und bezahlten Akteuren

In den Ku-Klux-Klan-Gewändern steckten Bekannte des Produzenten, die Kapuzenumhänge hatte Born schneidern lassen. Für den Katzentod hatte der Filmemacher im Tierheim eine Katze gekauft und sie von einem als Jäger verkleideten Bekannten schießen lassen. Die Kinder waren Sprösslinge eines Fabrikbesitzers, die gegen Bezahlung die Ausgebeuteten mimten. Allein Stern TV wurde mit mehr als 20 Beiträgen beliefert. 

Auf die Schliche kamen ihm die Ermittler mehr durch Zufall. Die Staatsanwaltschaft in Lörrach hatte bei der Suche nach den Drogenschmugglern im Film um Amtshilfe bei den Kollegen in Koblenz gebeten. Dort forschten Beamte gerade dem Born-Film über den Ku-Klux-Klan-Skandal nach. Die Stimme des Schmugglers und des Geheimbund-Sprechers klangen gleich, eine Stimmenanalyse des Bundeskriminalamts brachte Klarheit. 

Zu leicht

Vor Gericht bestätigte Michael Born, einen großen Teil der Filme gefälscht zu haben. 32 gefälschte Dokumentationen wurden ihm vorgeworfen, 16 Betrugsfälle bewiesen. Weil kein Gesetz die Irreführung der Zuschauer verbietet, basierte das Strafmaß auf kleineren Delikten, darunter Fahren ohne Führerschein, illegaler Waffenbesitz, Urkundenfälschung und am schwerwiegendsten: Volksverhetzung. Insgesamt wurde er für 4 Jahre verurteilt. 

In einem Interview für den "European" Jahre später (nach der Verjährung) gab er an, knapp etwa 200 Fälschungen weltweit untergebracht zu haben. Die Redaktionen hätten es ihm einfach zu leicht gemacht. 

Quellen