2016: Brexit und der NHS – Eine Lüge mit Folgen

Brexit-Schild. Foto: Elionas2 / pixabay
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2019 und der Brexit hält Europa immer noch in Atem. Dabei fand das Referendum schon 2016 statt. Begleitet von Lügen und Fake News.

Er war das beherrschende Symbol vor dem Referendum 2016: der rote Vote-Leave-Bus, in dem die Anführer der Pro-Brexit-Kampagne durchs Land fuhren, um für einen EU-Austritt zu werben. Prominenter Satz der Kampagne: "Wir schicken der EU jede Woche 350 Millionen Pfund - Lasst uns stattdessen unseren NHS finanzieren."

Ein marodes Gesundheitssystem

Der National Health Service ist der staatliche Gesundheitsdienst des Landes, seit Jahrzehnten kaputtgespart durch die Regierung. Patienten beklagten sich über lange Wartezeiten, überfüllte Arztpraxen und Krankenhäuser. Nach dem EU-Referendum erklärten viele Briten, dass sie für einen Brexit gestimmt hätten, damit mehr Geld in den NHS fließen könne.

Dabei war die Behauptung schlicht falsch. Ohne Britenrabatt und EU-Subventionen, zahlt Großbritannien "nur" rund 170 Millionen Pfund pro Woche an die EU. Und was die Mitgliedschaft in der EU auf der positiven Seite bedeutet, darüber darf man in der Tat streiten – nur mit Fakten und der Wahrheit und nicht mit Lügen. 

Vielen verging später das Lachen. Foto: John Cameron / Unsplash
Vielen verging später das Lachen. Foto: John Cameron / Unsplash

Hinterher versuchten viele sich zu distanzieren

Die meisten Brexit-Vorkämpfer von damals vermeiden es heute, über das Thema zu sprechen. Bereits am Morgen nach dem Referendum sagte der Rechtspopulist Nigel Farage, er selbst "würde nie eine solche Behauptung" gemacht haben. Die Vote-Leave-Kampagne entfernte die 350 Millionen klammheimlich von ihrer Webseite. Nur Boris Johnson, der ehemalige Bürgermeister von London und spätere Außenminister bleibt weiter bei seiner Lüge. Er behauptete sogar, die 350 Millionen Pfund seien eine "Untertreibung" gewesen. Fakten kann er aber nicht liefern.

Diese Lüge ist ein gutes Beispiel, wie Fake-News funktionieren. Fake-News sprechen den Bauch der Menschen an. Auch wenn fast allen Menschen in Großbritannien klar gewesen sein dürfte, dass diese Aussage nicht stimmt, ist doch etwas hängen geblieben. Dieses Bauchgefühl schafft eine Stimmung, in denen Fakten nicht mehr gehört werden. Solche Propaganda funktioniert seit Jahrtausenden.

Laut einer YouGov-Umfrage unter Ärzten, Krankenschwestern und -pflegern glauben übrigens nur 7 Prozent, dass das Gesundheitssystem vom Brexit profitieren wird. 

Quellen