1971: Die „German Hairforce“

Mensch kriegt einen Haarschnitt. Foto: Renee_Olmsted_Photography / pixabay
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Die Bundeswehr war genervt: Jahr für Jahr trabten mehr Rekruten mit üppigem Haupthaar durchs Kasernentor. Und manch einer verweigerte auch noch den Besuch beim Friseur. Die Regierung musste handeln. 

Der Haarnetz-Erlass vom 8. Februar 1971 machte möglich, dass Soldaten lange Haare tragen konnten. Der Erlass vom damaligen Verteidigungsminister Helmut Schmidt schrieb vor, dass Haar und Bart gepflegt sein und im Dienst ein Haarnetz getragen werden musste. Die Bundeswehr rüstete sich dazu mit 740.000 Haarnetzen aus. Bis dahin alles richtig und kein Fake.

Die Bevölkerung reagierte mit Ablehnung

Interessant sind die Reaktionen auf den Erlass. In Deutschland und in der Welt. Denn ein Großteil der Bevölkerung hatte sich mitnichten mit den langhaarigen Hippes abgefunden. Die Begründungen für die Ablehnung sorgte dann für eine Reihe von Fake News: 

  • Die Süddeutsche Zeitung zitierte eine besorgte Mutter: "Unser Holger war immer fleißig und ordentlich. Nun muss er zur Bundeswehr. Ich hab so Angst, dass er da verlottert."
  • Der konservativen Teil der Bevölkerung befürchtete, dass nun die Kampffähigkeit der Truppe empfindlich leide. Wen sollen diese Zottelwesen in Uniform abschrecken? 
  • Der Bayernkurier spottete, Helmut Schmidt habe sich mit seinem Erlass "unschätzbare Verdienste um die Verbreitung der Kopflaus" erworben.
  • Die Bundeswehr sorgte sich um Ihren Ruf. Gerade im Ausland wurde die deutsche Diskussion mit viel Humor betrachtet. Daher der  Titel: "German Hair Force". 

Eine Komission musste her

Eine Haarnetz-Kommission wurde einberufen. Die Ergebnisse: Eine lange Mähne sei vor allem unter Manöverbedingungen kaum vorschriftsmäßig zu pflegen. Läusebefall, verdreckte Kopfkissen und Akneprobleme bei den Soldaten seien die Folgen. Verkühlung durch nasses Haar gefährde die Truppengesundheit. Erhöhter Wasserverbrauch und längere Trocknungszeiten hätten ökonomische Folgen. 

Im Mai 1972 wurde der Haarnetz-Erlass schließlich wieder aufgehoben. Ab diesem Zeitpunkt musste das Haar so geschnitten werden, dass es den Uniformkragen nicht berührte, außerdem hatten Augen und Ohren frei zu sein. Helmut Schmidt kommentierte den Rückzug lakonisch: "Jemand, der aus Erfahrung nicht lernt, ist ein Scheißkerl."

Quellen