1990: Die Spinne in der Yuccapalme

Himmel mit Yucca-Pflanze. Foto: ulleo / Pixabay
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Die "Spinne in der Yucca-Palme" ist so etwas wie ein Klassiker unter den urbanen Legenden. Die Palmen wurden ursprünglich aus Madagaskar eingeführt und besaßen daher den Hauch des Exotischen. Von dieser Geschichte existieren schon damals verschiedene Versionen. Harmlose und erschreckende:

Version 1

Eine Blumenverkäuferin packte eine Pflanze aus und wurde von einer handtellergroßen, giftigen Spinne gebissen. Wegen einer allergischen Reaktion musste sie in ein Krankenhaus, wurde aber am selben Abend wieder entlassen. Die Feuerwehr suchte Stunden nach dem Tier, aber erst ein Schädlingsbekämpfungsdienst machte ihm den Garaus. 

Version 2

Eine Bekannte einer Freundin hatte eine Yuccapalme und immer, wenn sie die goss, hörte sie ein Piepen oder Quietschen. Selbst der Gärtner, der ihr die Pflanze verkauft hatte, wusste nichts zu sagen. Sie hat dann bei der Stadt, beim Gartenamt angerufen. Die kamen auch und haben die Blume auseinandergenommen. Und dann sahen sie, dass unten an den Wurzeln eine Spinne saß. Und die hat jedes Mal, wenn die Blume gegossen worden ist, einen Quietschton von sich gegeben, wohl weil sie Angst hatte zu ertrinken.

Version 3

Alles begann in den Sommerferien, als der kleine Blumenladen um die Ecke eine neue Lieferung bekam. Bestandteil der Lieferung war das Übliche: Rosen, Tulpen, Nelken, außerdem noch frisch aus Madagaskar eingeführte Yuccapalmen. Ein kleines Mädchen betrat mit ihren Eltern an der Hand den Laden und verguckte sich sofort in eine der Yuccapalmen. Zu Hause angekommen stellte das Mädchen ihre neue Pflanze zufrieden auf die Fensterbank in ihrem Zimmer. Als es Nacht war, das Mädchen gerade das Licht ausmachte und im Bett lag, hörte sie ein scharfes Fauchen von der Fensterbank aus, Sie verkroch sie sich unter ihrer Decke und versuchte zu schlafen, doch das Fauchen verstummte nicht.

Als es dann endlich doch aufhörte, streckte das Mädchen vorsichtig den Kopf aus der Decke. Da verspürte sie plötzlich einen starken, bissartigen Schmerz in der Wange und begann zu weinen. Die Eltern kamen sofort ins Zimmer gestürmt, doch sie konnten die Ursache für den Biss nicht finden. Jeden weiteren Tag entwickelte sich die Stelle des Bisses weiter zu einer immer größer werdenden roten Beule, bis sie schließlich aufplatzte und tausende von Spinnen aus der Wunde strömten.

Die Geschichten waren ein Hit

Anfang der 1990er Jahre, im letzten Jahrzehnt ohne Internet, waren "absolut wahre" Geschichten ein Hit. Alle sind sie selbst erlebt von dem Freund eines Freundes oder der Schwägerin eines guten Bekannten oder der Nichte der Schwester einer Arbeitskollegin. Rolf Wilhelm Brednich arbeitete Ende der 80er Jahre mit einer Gruppe von Volkskunde-Studenten im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts an diesem Thema. Heraus kam das Buch "Die Spinne in der Yucca-Palme", eine Sammlung moderner Sagen. Verschiedene weitere Bücher zum Thema sind seither erschienen. 

Quellen