Februar 1908: Geburt des Grubenhundes

Was soll ich gemacht haben? Foto: kko699 / pixabay
twittertwitter

Der erste "Grubenhund", ein Fake, erschien in einem Leserbrief des Zivilingenieurs J. Berdach, der am 22. Februar 1908 in der Neuen Freien Presse erschien. Ein mit Fachausdrücken gespickter Artikel, der in seiner Gesamtheit aber völliger Blödsinn war.

Der Artikel gab Beobachtungen zu einem Erdbeben wieder und enthielt Nonsens wie die "Variabilität der Eindrucksdichtigkeit" oder "tellurische Erdbeben (im engeren Sinne)", die von einem "kosmischen Erdbeben (im weiteren Sinne)" als wesentlich verschieden abzugrenzen seien. Dieser Leserbrief wurde von einem Ing. Berdach verfasst, der in Wirklichkeit aber Karl Kraus hieß. Er darf als Urheber der Grubenhunde gelten, auch wenn sie damals, 1908, noch nicht so hießen.

Nachahmer häuften sich

Das Beispiel machte Schule. Die freie Presse gierte nach Fachartikeln. Je mehr Fachwörter, desto besser. Der österreichische Ingenieur und Schriftsteller Arthur Schütz lieferte Redaktionen unter dem Namen "Dr. Ing. Erich Ritter von Winkler" zwischen 1911 und 1931 zahlreiche gefälschte Nachrichten über absurde technische Erfindungen. So beschrieb er einen von ihm erfundenen "Grubenhund", der im Labor eines Mineningenieurs schlief und angeblich vor einem Erdbeben 1911 Warnzeichen gegeben habe. Nachfolger folgten: Feuerfeste Kohle, rechteckige Kreise, der Senator Duca Melbista-Berso-Thum ("Du Kamel bist aber so dumm"), miauende Laufkatzen, kupferne Isolatoren, verbogene Visierlinien, Degeneratoren und vieles anderes wurde veröffentlicht.

Seitdem ist ein Grubenhund eine spezielle Form von Fake News. Er besteht in einem überzeugend formulierten, aber faktisch unsinnigen Leserbrief, mit dem eine Redaktion hereingelegt wird.

Auch heutzutage kommen Grubenhunde immer wieder vor, dank aufmerksamer Redaktionen aber immer seltener.

Manchmal klappts doch noch

Ein Beispiel jüngerer Zeit hat Prominenz erlangt. Am Tag der Ernennung des neuen Wirtschaftsministers Karl-Theodor zu Guttenberg im Februar 2009, manipulierte ein anonymer Jungjournalist dessen Eintrag in Wikipedia, indem er einen frei erfundenen elften Vornamen hinzufügte: "Wilhelm". Viele Online-Nachrichtenseiten wie Spiegel online, sueddeutsche.de und taz.de übernahmen diese Falschmeldung ungeprüft. Kurze Zeit später prangte er auch auf der gedruckten Titelseite der Bild: "Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Wilhelm Freiherr von und zu Guttenberg."

Quellen