Januar 1919: Frauen erkämpfen sich das Wahlrecht

Fünf Mitglieder vom Verein für Frauenstimmrecht, Foto: Wikimedia, public domain
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Zum ersten Mal hatten Frauen in Deutschland das Wahlrecht. Der Kampf wurde mit harten Bandagen geführt. Antifeministische Fake News hatten Tradition. 

Die Wahl zur Deutschen Nationalversammlung fand am 19. Januar 1919 statt. Sie war die erste Wahl, in der Frauen in Deutschland wählen durften. Ein Jahr später, im Juni 1920, zogen 37 Frauen in den ersten Reichstag der Weimarer Republik ein.

Veranstaltungshinweis zur Forderung nach dem Frauenwahlrecht (ca. 1908)
Veranstaltungshinweis zur Forderung nach dem Frauenwahlrecht (ca. 1908)

Geschichte

Seit der Französischen Revolution forderten Frauen das Wahlrecht. Hier und da gab es Konzessionen, meist aber nur als Brotsamen. In Schweden galt seit 1862 das (aktive) Wahlrecht für Frauen - aber nur bei Kommunalwahlen und auch nur für unverheiratete Frauen oder für Besitzbürgerinnen.

1883 wurde es in Kanada eingeführt - aber nur für Witwen. 1869/70 war das US-Territorium Wyoming das erste Staatswesen, in dem alle Bürgerinnen endgültig und ohne Einschränkung wählen durften. 1893 folgte Neuseeland, 1902 Australien. 

In Europa war Finnland das erste Land, dass am 15. und 16. März 1907 bei den Wahlen das uneingeschränkte aktive und passive nationale Wahlrecht. Für alle Bürgerinnen und Bürger vom vollendeten 24. Lebensjahr an galt.

"Argumente" gegen das Wahlrecht

Interessant bei diesem langen Kampf waren die "Argumente" der Gegner:

  • Immer wieder wurde die „natürliche“ Bestimmung der Frau ins Feld geführt, die sie für die Arbeit im Hause prädestiniere, während die Politik in die männliche Welt gehöre. 
  • Frauen könnten wegen ihrer sozialen Rolle nicht unabhängig urteilen. 
  • Das Frauenwahlrecht könnte zu politische Differenzen zwischen den Ehepartnern führen.  
  • Verheiratete Frauen seien schon durch ihre Ehemänner vertreten. Deshalb galt beispielsweise in Skandinavien und Großbritannien das (kommunale) Wahlrecht nur für ledige und verwitwete Frauen.
  • Kinderlose Frauen galt als nicht "wertvoll" genug. In einigen katholischen Staaten wie Belgien, Italien und im orthodoxen Bulgarien wurde nur verheirateten Müttern das kommunale Wahlrecht zugestanden. Kinderlose Männer durften natürlich trotzdem wählen. 
  • Auch die Bildung wurde in Feld geführt. In einigen Staaten wie in Griechenland mussten Frauen im Gegensatz zu männlichen Wählern Schulbildung nachweisen. 
  • Erst ab einem gewissen Alter seien Frauen „weise“ genug. In England, Ungarn und Island konnten sie zeitweise erst mit 30 bzw. 40 Jahren wählen. 
  • Prostituierte in Österreich, Spanien und Italien durften ebenfalls zunächst nicht wählen.

Allen Begründungen gemein war, dass Sie zwar vermeintliche Argumente ins Feld führten, diese aber schon zur damaligen Zeit sich in Luft auflösten, wenn sie genauer betrachtet wurden. Fake News im klassischen Gewand sozusagen. 

Heutzutage sind wir glücklicherweise einen riesigen Schritt weiter. Selbst auf Samoa und im Schweizer Kanton Appenzell Innerrhoden dürfen Frauen seit 1990 wählen. Nur Saudi-Arabien und das kleine südostasiatische Scheichtum Brunei hinkt noch hinterher.

Quellen