1953: Frauengold

Frauengold
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Markteinführung des hochprozentigen Stärkungsmittels für die moderne Frau. Ein Beispiel für Fake News? 

Die Marke Frauengold wurde durch die Werbung hervorragend verkauft. Keine Fake News im engeren Sinne, aber ein hervorragendes Beispiel wie Marketingstrategen durch Falschinformationen ein Produkt verkaufen können. Denn die Wirkung war gleich null – bis auf den Alkoholgehalt: mindestens 16,5 Prozent Alkohol. Und der wirkte.

Viel Werbung, wenig dahinter

Frauengold war frei verkäuflich in Drogerien, Apotheken und Reformhäusern und wurde gezielt mit seiner beruhigenden und stimmungshebenden Wirkung beworben. Frauengold versprach "jugendlichen Schwung" für "Frauen, die mitten im Leben stehen". Frauengold dämpfte Alltagshärten "Nimm Frauengold und Du blühst auf!" und versprach Hilfe selbst bei Menstruationsbeschwerden: "Frauengold bringt Wohlbehagen, wohlgemerkt an allen Tagen".

Die Hersteller von Frauengold gaben viel Geld für Werbung aus, bis zu 160.000 DM monatlich. Viel Geld für die damalige Zeit. Da störte ein Gerichtsurteil wegen "irreführender Werbung" wenig: Geldstrafe rund 100 DM.

Das Produkt lief und lief. Die fehlende Wirkung war bekannt und belegt. So 1963 in der Verbraucherzeitschrift "DM" "Das Tonikum ist ein gewöhnliches Stärkungsmittel aus Südwein und pflanzlichen Stoffen". Einfacher Südwein, also Likörwein, sei im Preis viel günstiger als Frauengold und habe "im Prinzip die gleiche belebende Wirkung". Die ostdeutsche "Berliner Zeitung" titelte: "Westdeutsche Profitjäger treiben Raubbau an der Volksgesundheit!".

Ein Spiegel der Zeit

Solche Nachrichten hatten aber kaum Wirkung. Die Werbemaschine rollte. Die aus unserer heutigen Zeit stark frauenverachtende Werbung war ein Spiegel der Zeit. Die konservative Gesellschaft der 1950er Jahre forcierte die Rückkehr der Frauen in die traditionelle Hausfrauenrolle. Nach Krieg und Not sollte der alte „natürliche“ Zustand wiederhergestellt werden. Bei den Frauen entstanden Frustrationsgefühle. Produkte wie Frauengold schafften Ruhe.

In der 1960er wurden Frauen wieder als Arbeitskräfte gefragt, der Haushalt sollte aber auch noch erledigt werden. Diese Doppelbelastung sorgte für eine verstärkte Nachfrage nach „erleichternden“ Produkten. Der Werbespot der demütigen Sekretärin passte in die Zeit. 

Der "Kölnisch-Wasser-Alkoholismus"

Und was auch nicht vergessen werden darf: Saufen hatte (wenigstens bei Männern) noch ein anderes Image. Die Flasche Schnaps im Aktenschrank war damals normal. Heute ein Fall für den Betriebsarzt. Frauen durften natürlich nicht so offensichtlich Alkohol in sich hineinschütten, das musste dezent als Stärkungsmittel oder Medizin verkauft werden. Schon im späten 19. Jahrhundert entstand deshalb ein Markt für „Kölnisch Wasser“ oder „Klosterfrau Melissengeist“.

In den 50er Jahren gab es kaum eine Damenhandtasche ohne den Duft Eau de Cologne. Aber nicht nur der Geruch des feinen Wassers machte die Frau glücklich, sondern auch der Alkoholgehalt von 70 bis 85 Volumenprozent. So entstand das Wort des Kölnisch-Wasser-Alkoholismus. Der Erfolg von Frauengold beruhte auf dem gleichen Prinzip. Nicht selten gerieten die Nutzerinnen in die Abhängigkeit.

Oft blühte mit dem Verzehr auch die Alkoholabhängigkeit auf.
Oft blühte mit dem Verzehr auch die Alkoholabhängigkeit auf.

 Erst 1981 wurde das Produkt verboten, aber nicht wegen den Folgen der Alkoholabhängigkeit bei den Nutzerinnen, sondern weil es Aristolochiasäuren enthielt. Diese gelten als krebsfördernd und nierenschädigend.

Quellen