1906: Japan wird Islamisch

Foto: JordyMeow / pixabay
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1906 verbreitete sich in Europa die Meldung, Japan suche nach einer neuen Staatsreligion und man plane die Einführung des Islam. Angeblich sei das auf einem Religionskongress in Tokio beschlossen worden. Solche Fake News wurden begierig von den Zeitschriften aufgegriffen.

Japan war fern und exotisch. Und damit eine ideale Projektionsfläche von Wünschen und Hoffnungen – und auch Ängsten. Sowohl in den westlichen Ländern, als auch in den Ländern des Orients.

Obwohl die Kontakte zwischen Japan und den islamischen Ländern auch Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts noch sehr beschränkt waren, zirkulierten periodisch Pressemeldungen und Spekulationen, dass die Japaner entweder den Islam als Staatsreligion annehmen könnten oder den Islam in ihrer Außenpolitik instrumentalisieren wollten. So auch 1906, angeblich sei bereits sogar eine osmanische Delegation auf dem Weg nach Japan.

Kaum nachzuprüfen

Das Dementi kam aus Kreisen amerikanischer christlicher Missionare, die schon damals gut vernetzt waren, über die gesamte Welt – sie hatten allerdings vor allem das wiederum fragwürdige Interesse, die Rückständigkeit des Islam gegenüber dem Christentum zu betonen. Sieben Jahre zuvor hatte es ähnliche Behauptungen gegeben, denen zufolge die Einführung des Christentums bevorstünde.

Da keine Zeitung solche Nachrichten nachprüfen konnte (und die Leser erst recht nicht), wurde diese Nachricht gerne als Lückenfüller genutzt. Die Geschichte passte einfach zu gut in das System der Fake News. Sie sorgte für Empörung, spielte in einer exotischen Landschaft, war nicht nachprüfbar, konnte in allen Kreisen diskutiert werden. Kurz: Die ideale Nachricht um eine leere Seite in den Nachrichten zu füllen.

Quellen