Februar 1974: Freie Fahrt für freie Bürger! Die Tempolimitdebatte im Spiegel der Zeit

Foto: Pot, Harry / Anefo
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Vor mehr als 40 Jahren trat der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e. V. (ADAC) eine Kampagne los, um gegen ein Tempolimit auf Autobahnen und Bundesstraßen zu kämpfen.

Im Februar 1974 – drei Monate nach dem Höhepunkt der Ölkrise mit vier "autofreien Sonntagen" – startete der ADAC eine Kampagne "Freie Bürger fordern freie Fahrt", die sich hauptsächlich gegen den im November 1973 gestarteten viermonatigen Tempo-100-Großversuch auf den Bundesautobahnen richtete. Die ADAC Motorwelt prägte dafür den Spruch "Freie Fahrt für freie Bürger". 1974, als der Slogan Fahrt bekam, gab es etwa 16.000 Verkehrstote in der damals noch viel kleineren Bundesrepublik.

Schon damals wirkte der Spruch wie von gestern. Argumente, wie die Verringerung der Verkehrsopferzahlen hatten keine Chance. Stattdessen wurde Stimmung gemacht. Für die angebliche Freiheit der Autofahrer (und wenige Autofahrerinnen). In der ADAC-Chronik findet sich dazu folgender Eintrag: "Der ADAC kritisiert den Tempo-100-Großversuch auf Autobahnen. Die ‚Motorwelt’ kündigt an, dass der Club alles tun wolle, das ‚unrealistische Kriechtempo’ zu verhindern."

Heutzutage "kriecht" man schon mit 140 auf der Autobahn. Foto: Pot, Harry / Anefo
Heutzutage "kriecht" man schon mit 140 auf der Autobahn. Foto: Pot, Harry / Anefo

Ein jahrzehntelanges Hin und Her

Die Einführung einer allgemeinen Geschwindigkeitsbeschränkung ist seit dem Bestehen der Bundesrepublik in der Diskussion. Ein Aufregerthema, welches  auch heutzutage noch funktioniert. Die Argumente der Befürworter und Gegner sind dabei seit mehr als 40 Jahren gleich geblieben. Siehe unser Fake der Woche vom 29.01. Man kann hier sehr schön die Wirkungsweise von Fake News darstellen: Rationale Argumente haben gegenüber einer emotionalisierenden Kampagne keine Chance.

Die Kampagne war damals erfolgreich, statt eines generellen Tempolimits von 100 km/h auf den Autobahnen wurde eine unverbindliche Richtgeschwindigkeit von 130 km/h eingeführt. Die Aktion zog allerdings auch eine Austrittswelle nach sich, da viele ADAC-Mitglieder die bedingungslose Pro-Auto-Politik des Vereins nicht teilte.