Tempolimit: Meinung oder Fakten?

Fakt ist: Zu schnelles Fahren ist der Hauptfaktor für tödliche Unfälle. Foto: Sponchia / pixabay
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Eine Kommission war dafür, der Verkehrsminister dagegen: Ein allgemeines Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Ein gutes Beispiel, wie Stimmungen Fakten ersetzen.  

Kaum ein Thema, was den deutschen Autofahrer nicht mehr bewegt: Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen. Die Experten der "Arbeitsgruppe 1" der "Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität" sollten "kreative, neue Ideen" für eine klimafreundliche Mobilität entwickeln - und schlugen unter anderem eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 130 km/h auf deutschen Autobahnen vor.

Die Bild Zeitung machte sofort mobil: "Schockpapier…lauter irre Ideen". Autominister Scheuer ruderte umgehend zurück und verwarf die "Gedankenspiele… einer Unterarbeitsgruppe einer ressortübergreifenden Kommission mit aus externen Experten". Und fügte noch hinzu, die Vorschläge seien "gegen jeden Menschenverstand" (wobei anzumerken ist, dass in allen Industrienationen dieser Erde ein allgemeines Tempolimit gilt. Anscheinend ist der gesunde Menschenverstand in anderen Ländern nicht so ausgeprägt wie in Deutschland).

Etwas Entspannung und Ruhe im Strassenverkehr kann allen helfen. Foto: Schaloko / pixabay
Etwas Entspannung und Ruhe im Strassenverkehr kann allen helfen. Foto: Schaloko / pixabay

Ein diverses Thema mit diversen Meinungen

Natürlich darf man drüber streiten ob ein Tempolimit ein vernünftiger Weg für mehr Klimaeffektivität im Verkehr ist. Man darf auch einer anderen Meinung sein. Man sollte dann aber gerade, auch von Regierungsseite, sich auf Fakten berufen können. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin, es gebe "intelligentere" Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Verkehr. Nur welche das sind, sagte er nicht. 

Die Diskussionen um ein Tempolimit sind ein sehr schönes Beispiel, wie Fake News funktionieren. Da wird gar nicht erst der Versuch gemacht, auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Lösung zu finden. Sondern es wird auf den Bauch gezielt, um mit Stimmung Politik zu machen.

Natürlich geht es nicht um ein Tempolimit. Es geht um eine Sichtweise auf das Automobil, um notwendige Veränderungen und letztendlich auch um Gewinninteressen der Industrie.

Ein Gegenargument lautet, seit mehr als 30 Jahren, dass mit einem allgemeinen Tempolimit die Freiheit der Bürger eingeschränkt wird. Die Entstehung von "Freie Fahrt für freie Bürger" werden wir in einen der nächsten historischen Fakes betrachten.

Was tun?

Wenn sie in solchen Gesprächen gefangen sind, versuchen Sie nicht mit Fakten zu argumentieren. Zeigen sie stattdessen Verständnis für die Empfindungen ihres Gegenübers und zielen Sie auf die Emotionen. Zum Beispiel so: 

Der Verkehr muss seinen Beitrag zum Klimaschutz liefern. dafür müssen wir lieb gewonnene Gewohnheiten über Bord werfen. Ich habe Verständnis dafür, dass dies auch als eine Einschränkung einer gefühlten Freiheit verstanden werden kann. Ich glaube aber nicht, dass unbeschränktes Rasen einiger Menschen unsere Freiheit gefährden.

Erst danach kann ich Fakten in meiner Argumentation einbringen, z.B.:

  • Zu schnelles Fahren ist der Hauptfaktor für tödliche Unfälle, 
  • Wer mal bei 180 seine Tanknadel beobachtet weiß um den Verbrauch, 
  • Anscheinend kann die deutsche Industrie auch Autos in Amerika verkaufen, obwohl dort ein Tempolimit gilt.
  • Wenn wir den Klimawandel ernst nehmen, muss auch der Verkehrssektor seinen Beitrag liefern. Seit 1990 konnten im Verkehrssektor keine Emissionsreduktionen erzielt werden. Im Gegensatz zu Haushalten und Industrie. 
  • Etc. 

Wenn Sie Glück haben, werden Sie ihren Gesprächspartner zum Nachdenken bewegen. Hoffen Sie aber nicht auf den Satz "Du hast Recht". Und bitte beachten, ihr Gegenüber darf trotzdem eine andere Meinung haben. 

Quellen