April 1902: Schaumweinsteuer in Deutschland

Wer kann es sich leisten, die Korken knallen zu lassen? Foto: Couleur / pixabay
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1902 wurde die Schaumweinsteuer durch Kaiser Wilhelm II. eingeführt. Das Geld für den Bau der Kriegsflotte war knapp, da wurde kurzerhand die Sektsteuer eingeführt. Nur war der Nutzen gering. Fake News als Begründung?

Deutschland verfügte um die Jahrhundertwende nur über eine sehr kleine Flotte. Erst als der flottenbegeisterte Kaiser Wilhelm der II Kaiser wurde, änderten sich die Prioritäten. Durch den stark zunehmenden deutschen Überseehandel und den Erwerb überseeischer Kolonien wuchs das Bedürfnis nach konkurrenzfähigen deutschen Seestreitkräften.

Begeisterung für die kaiserliche Marine. Foto: public domain
Begeisterung für die kaiserliche Marine. Foto: public domain

Die "Reichensteuer" wird eingeführt

Die Flottenrüstung wurde von Beginn an als "großes nationales Werk" dargestellt, gewissermaßen als nationalistische Klammer, in der die verschiedenen Bevölkerungsgruppen zusammengefasst werden sollten. So wurden die bekannten Matrosenanzüge für Kinder Modetrend. 

Die finanziellen Risiken waren bekannt. Im zweiten Flottengesetz vom Juni 1900 wurde eine Verdoppelung der deutschen Schlachtflotte beschlossen. Die Kosten wurden mit etwa 300 Millionen Mark pro Jahr veranschlagt. Eine riesige Summe. Dabei war schon früh abzusehen, dass der Etat nicht reichen würde. Kaiser Wilhelm als Kaiser musste seine ehrgeizigen Pläne 1902 gut verkaufen. 

Geld musste aufgetrieben werden. Was bot sich mehr an als eine neue Steuer? Die die kleinen Leute nicht traf? Deshalb wurde die Schaumweinsteuer eingeführt, denn „bei einer so starken Steigerung der Ausgaben für die Wehrkraft des Landes auch der Schaumwein herangezogen werden muß“ Auf den damaligen Durchschnittspreis von 2,50 Mark wurden 50 Pfennige aufgeschlagen. Damit konnte die Diskussionen um die horrenden Kosten der Aufrüstung gedämpft werden. Schließlich muss der Mann von der Straße sie nicht tragen – es gibt ja die "Reichensteuer".

Der Erfolg blieb vorerst aus

Allerdings ließ sich mit den Erträgen aus der Schaumweinsteuer lediglich ein sehr geringer Teil der Rüstungsausgaben des Kaiserreichs abdecken: Im Jahr 1905 nur 0,59 Prozent. Auch reagierten die anderen Mächte nicht so wie gedacht. Sie bauten nämlich ihrerseits neue Flotten auf.

Das Wettrüsten verlor das deutsche Reich – trotz Sektsteuer. Zurück blieb riesiges Loch im Staatshaushalt und eine unfertige, in schlechtem Zustand befindliche Flotte. Denn um die Neubauten bezahlen zu können, wurde weitestgehend an Personal und Material gespart. Ab 1911 wurde deshalb wieder ins Heer investiert. Die Flotte versank bei der sinnlosen Schlacht vor Skagerak fast 9000 Seeleute verloren ihr Leben. 

Heute beträgt die Steuer 1,02 Euro pro 0,75-Liter-Flasche, und sie bescherte dem Staat zuletzt Einkünfte in Höhe von 460 Millionen Euro jährlich.

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