Januar 1984: Die Kießling-Affäre

Großer Zapfenstreich für General Günther Kießling. Foto: MZ-Archiv
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Fake News über die angebliche Homosexualität eines Vier-Sterne Generals erschütterten die Bundesrepublik.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in Ihrer Ausgabe vom 5. Januar, dass Bundesverteidigungsminister Manfred Wörner den NATO-General Günter Kießling überraschend in den Ruhestand versetzt hat. Weitere Recherchen fördern die Kießling-Affäre ans Tageslicht.

Gerüchte aus dem Nato Hauptquartier deuteten für damalige Zeiten Ungeheuerliches an: ein Vier-Sterne General, General Kießling, soll homosexuell sein. Was aus heutiger Zeit keine Nachricht wert wäre, wurde damals anders gesehen: Als potentielles Sicherheitsrisiko. Schließlich sei er mit seiner sexuellen Orientierung erpressbar.

Kaum Beweise

Trotz der nicht vorhandenen Beweise reagierte die Ämter 1983 bereits beim ersten Anzeichen panisch. Die Gerüchte reichten aus, um den damaligen Verteidigungsminister Manfred Wörner (CDU) zu veranlassen. Kießling aus dem Dienst zu entfernen. Am 17. September 1983 wurde beschlossen, dass Kießling sich mit sofortiger Wirkung krankmelden solle, um dann am 31. März 1984 aus Gesundheitsgründen entlassen zu werden.

Doch das war nicht genug. Interessierte Kreise gaben sich damit nicht zufrieden und drängten darauf, den Entlassungstermin auf den 31. Dezember 1983 vorzuverlegen. Gefälschte Beweise veranlassten den Verteidigungsminister Manfred Wörner, den Vier-Sterne-General zum Jahresende 1983 vorzeitig in den Ruhestand zu versetzen. Kießling beantragte daraufhin gegen sich selbst ein Disziplinarverfahren um die Vorwürfe zu entkräften.

DER SPIEGEL vom Mai 1984
DER SPIEGEL vom Mai 1984

Die Presse mischt sich ein

Jetzt bekam die Presse Wind von der Sache. Journalisten recherchierten weiter über den Fall, die Opposition stellte unbequeme Fragen. Der Abschlussbericht des parlamentarischen Ausschusses offenbarte dann die schlampige Ermittlungsarbeit des MAD, die unzureichende Abwägung aller Aspekte der Affäre durch den Minister und die vollkommene Unschuld Kießlings an all dem. Im Disziplinarverfahren gegen Kießling erwiesen sich ebenfalls alle Vorwürfe als haltlos.

Schlussendlich wurde die Affäre durch das Eingreifen von Bundeskanzler Helmut Kohl noch im Jahr 1984 beendet: Kießling wurde ab 1. Februar 1984 wieder in den aktiven Dienst und unmittelbar danach am 26. März 1984 ehrenhaft mit dem Großen Zapfenstreich in den Ruhestand versetzt.

Trotzdem war Kießling Zeit seines Lebens ein von den Generalen des Heeres gemiedener ehemaliger Soldat. Zum Jubiläum der Bundeswehr 1985 war Kießling als einziger Vier-Sterne-General nicht eingeladen. Bis heute sind die Hintergründe der Affäre nicht vollständig geklärt.

Quellen