Januar 1919: Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht

Die Beisetzung von Rosa Luxemburg am 13. Juni 1919. Riesige Kranzspenden am Anfang des Trauerzuges. Foto: Bundesarchiv
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Am 15. Januar des Jahres 1919 wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin ermordet. Die Morde sollten vertuscht werden, Fake News wurden an die Zeitungen verteilt.

Ein Tag später. Die „BZ am Mittag“ meldet: „Liebknecht auf der Flucht erschossen – Rosa Luxemburg von der Menge getötet!". Die Redaktion ist auf die Lügen der Mörder hereingefallen. Inzwischen aber sind die Tathergänge geklärt. Waldemar Pabst, Kommandant der Garde-Kavallerie-Schützen-Division befahl den Mord an den beiden Kommunisten. „Ich ließ Rosa Luxemburg richten“, wird er sich noch 1962 in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ brüsten.

Das Grab von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von 1919. Foto: Herbert Fiebrandt / wikicommons
Das Grab von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von 1919. Foto: Herbert Fiebrandt / wikicommons

Die Ermordung

Am frühen Abend des 15. Januar drangen fünf Angehörige der Wilmersdorfer Bürgerwehr – einer von Zivilisten gebildeten bürgerlichen Miliz – in die Wohnung ein, nahmen Liebknecht und Luxemburg fest und brachten sie in das Eden-Hotel. Dort residierte der Stab der Division. Nach einem Verhör mit zahlreichen Misshandlungen sollten beide getrennt in Gefängnisse gebracht werden, dabei war die Ermordung schon beschlossen.

Beim Verlassen des Hotels schlug der am Haupteingang bereitstehende Jäger Otto Wilhelm Runge Rosa Luxemburg mit einem Gewehrkolben zweimal, bis sie bewusstlos war. Sie wurde in einen bereitstehenden Wagen geworfen.

Der Freikorps-Leutnant Hermann Souchon sprang bei ihrem Abtransport auf das Trittbrett des Wagens auf und erschoss sie mit einem aufgesetzten Schläfenschuss etwa an der Ecke Nürnberger Straße/Kurfürstendamm (heute Budapester Straße). Ihre Leiche wurde in den Berliner Landwehrkanal in der Nähe der heutigen Lichtensteinbrücke geworfen.

Karl Liebknecht ist zu diesem Zeitpunkt schon seit ca. einer Stunde tot. Der Fahrer des Transportautos hatte im Tierpark an einer unbeleuchteten Stelle eine Autopanne vorgetäuscht und Liebknecht gefragt, „ob er imstande wäre, zur Charlottenburger Chaussee zu gehen.“ Als Liebknecht einige Schritte gegangen ist, wurde er vom Leutnant Rudolf Liepmann, Kapitänleutnant Horst von Pflugk-Harttung, Leutnant zur See Heinrich Stiege, Oberleutnant zur See Ulrich von Ritgen von hinten „auf der Flucht“ erschossen.

Aufklärung der Morde

Die Ermordung der beiden Kommunisten rief auch im Bürgertum Empörung hervor. Leo Jogiches trieb die Aufklärung der Morde an Luxemburg und Liebknecht mit Artikeln in der Roten Fahne voran. Er wurde im März 1919 inhaftiert und im Gefängnis ermordet.

Auf Druck der Öffentlichkeit wurde ein Kriegsgericht einberufen. Die Garde-Kavallerie-Schützendivision wählte selber dessen Richter Paul Jorns aus. Er verzögerte die Ermittlungen und vertuschte die Mittäterschaft der leitenden Offiziere. Im Mai 1919 sprach er die meisten Tatbeteiligten frei und verurteilte nur Runge und Vogel zu geringen Haft- bzw. Geldstrafen. Der Kommandant Waldemar Pabst wurde nicht angeklagt, mögliche Auftraggeber wurden nicht gesucht. Trotz vieler Proteste bestätigte Reichswehrminister Gustav Noske die Urteile und verhinderte ein Revisionsverfahren.

Liebknecht wurde am 25. Januar zusammen mit 31 weiteren Toten der Januartage beigesetzt. Am 13. Juni wurde der Leichnam Rosa Luxemburgs nach Berlin überführt und neben Karl Liebknechts Grab begraben.

Quellen